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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 7 „Leningrad“

Valery Gergiev, Orchester des Mariinski Theaters

Mariinsky/Note 1 MAR0533
(82 Min., 6/2012) SACD

Der mit Schostakowitsch befreundete Dirigent Kurt Sanderling hat einmal behauptet, der Komponist habe sich der Lyrik in seinen Werken etwas geschämt und sie deswegen oft etwas zu schnell und letztlich ohne das richtige Gefühl gespielt. Valery Gergiev kann man diesen Vorwurf nicht machen: Vielleicht hat kein Dirigent die lyrischen Qualitäten von Schostakowitschs Leningrader Sinfonie so überzeugend herausgearbeitet. Die Aufnahme geht hier noch einen Schritt über Gergievs frühere Einspielung des Stücks mit den kombinierten Kräften des Mariinsky Orchesters und der Rotterdamer Philharmoniker hinaus. Eine beeindruckende Pianissimo-Kultur sowie tiefenscharf durchgehörte polyphone Passagen gehören zu den weiteren Pluspunkten dieser Aufnahme, in der nicht die Kriegsberichterstattung aus dem belagerten Leningrad im Vordergrund steht, sondern „Erinnerung“ und die „Weite der Heimat“, wie Schostakowitsch die Mittelsätze ursprünglich nennen wollte. Einen zwiespältigeren Eindruck hinterlassen die Ecksätze. Manische Wiederholungen von Motiven fasst Gergiev oft zu flächig auf und die Variationen über das „Gewaltthema“ lassen an das Vorbild von Ravels Boléro denken ‒ eine glänzende Instrumentationsstudie, der aber Aggressivität und Doppelbödigkeit fehlen. Empfindliche Hörer könnten sich auch an einigen murmelnden Hintergrundgeräuschen zu Beginn des Adagio stören, auch wenn sie bei der ansonsten hervorragenden Aufnahmequalität der sowohl in Stereo als auch in Surround mit herrlichem Breitwandsound aufwartenden Scheibe zu verschmerzen sind.

Carsten Niemann, 26.01.2013



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