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Edward Elgar

Violinkonzert h-Moll, Salut d'amour, Offertoire

Catherine Manoukian, Stefan Solyom, Staatskapelle Weimar

Berlin Classics/Edel 0300429 BC
(57 Min., 6/2011)

Es ist leicht, mit einer Aufnahme von Edward Elgars Violinkonzert in h-Moll nicht zufrieden zu sein: Mit seiner gut 50-minütigen Dauer, dem motivischen Reichtum seines Orchesterparts und nicht zuletzt mit dem Dauerfeuer an technischen wie emotionalen Herausforderungen für den Solisten lässt es auch herausragende Interpretationen nie als alternativlos erscheinen. Dies ist auch bei der vorliegenden Einspielung der Fall.
Catherine Manoukian und Stefan Solyom haben den Live-Mitschnitt einer Studioproduktion vorgezogen, weil der große Atem und der ununterbrochene Energiefluss, den Elgars Konzert erfordere, im Studio nicht in gleicher Weise herzustellen seien. Die Applausexplosion am Ende gibt ihnen durchaus recht: Die Spannung, die Catherine Manoukian erzeugt, hält in der Tat über die drei gewaltigen Sätze. Allerdings tut sie das bei anderen wichtigen Aufnahmen auch – so bei der legendären Aufführung des jungen Gidon Kremer beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb oder in der Erstaufnahme mit Yehudi Menuhin unter der Stabführung des Komponisten.
Manoukian, die besonders in ihrer melancholischen Sicht des „Nobilmente“-Hauptthemas dem Duo Elgar/Menuhin näher steht als dem hochdramatischen Kremer, gibt dem Konzert eine gewisse Leichtigkeit zurück: Bisweilen hört es sich an, als sei Elgar von Mendelssohn stärker beeinflusst als von Brahms. Einen leichten Kontrast zu Manoukians schlankem Ton bieten ihre häufigen Glissandi, die allerdings nie soßig wirken, sondern mit Geschmack und Überlegung eingesetzt werden. Was aber die Durchsichtigkeit sowie den Farbreichtum und die Poesie des Orchesterparts betrifft, kann es Solyom nicht mit den zahlreichen Altmeistern aufnehmen, die das Konzert ebenfalls dirigiert haben – beispielsweise im Andante, dessen Choralanklänge zu sehr im Streicherklang verschwinden. Für diesen Part wäre ein Besuch im Studio vielleicht doch eine Alternative gewesen.

Carsten Niemann, 02.02.2013



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