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Théodore Gouvy

Klaviertrios Nr. 2-4

Voces Intimae

Codaex/Challenge CC 72571
(90 Min., 6/2012) 2 CDs, SACDs

Gnadenlos verdammt der Geist der Fortschrittsideologie jene Kleineren, deren Inspiration nicht ausreichte, aus den Bahnen der Tradition auszubrechen. Gestürzt nicht nur in Vergessenheit, sondern auch in musikologische Verachtung. Das mag den Liebhaber des abseitigen Repertoires zum reflexartigen Widerspruch reizen, aber wer könnte leugnen, dass Théodore Gouvy (1819-1898) sich derart tief in den Spuren von Mendelssohns Klaviertrios – oder besser gesagt den kompositorischen Konventionen, die sie beherrschen – bewegt, dass er kaum einmal mit einer eigenen Wendung herausfinden könnte? Die Ahnung, was in den nächsten Takten kommen wird, eilt unserem Hören mit geradezu absurder Spürsicherheit voraus (angesichts der limitierten harmonischen Reichweite dieser anmutigen Hausmusik ist es aber doch nicht so mirakulös ...). Wer für den Charme des geistvoll-Mittelmäßigen, für die ganze Melancholie der Vergeblichkeit empfänglich ist, wird auch dank der musikalischen und aufnahmetechnischen Qualität dieser Produktion mit dem italienischen Trio „Voces Intimae“ einige Freude haben. Der schöne Pleyelfügel von 1848 ist dermaßen perfekt eingefangen, als stünde er im Zimmer.
Mitten im Adagio des dritten Trios (1855) aber beginnt das antizipierende Bewusstsein einmal über Unerwartetes zu stolpern. Da nimmt die Musik eine derart überraschende Wendung, als erblicke man glitzernde Adern in einem tumben Gestein. Erst allmählich dämmert einem, das hier ein exakter Nachbau der harmonischen Sequenz eingeschlossen ist, die Wagners Tannhäuser-Vorspiel beherrscht. Ein früher Blick in eine Sphäre, die wichtig werden sollte für die französische Musik. Die Sünde des Théodore Gouvy mag sein Schwanken zwischen den Fronten gewesen sein – den Franzosen war der in Leipzig Ausgebildete zu „deutsch“, den Deutschen wohl nicht deutsch genug. Und doch waren es solche janushaften Vermittlergestalten, die ihren Nachfolgern in Frankreich Wege zeigten, sich das dunkel-monumentale Wesen Wagners anzuverwandeln und in einen gallischen Tonfall umzuschmelzen.

Matthias Kornemann, 02.02.2013



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