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Cinema

Uli Beckerhoff, Michael Berger, Stefan Ulrich

Berthold Records/harmonia mundi BTH 4730005
(49 Min., 2011)

Wenn man sich das Foto der drei finsteren Gestalten Uli Beckerhoff, Michael Berger und Stefan Ulrich auf der CD-Hülle anschaut, fragt man sich ja schon: Welcher Film erwartet einen hier? Thriller? Mafia-Drama? Geldeintreiber-Komödie? Antwort: nichts von alledem. Denn in allererster Linie handelt es sich bei dem Album „Cinema“ um eine gewitzte Zeitreise – vordringlich zurück in die 80er Jahre.
Nicht selten fühlt man sich bei der Kombination aus Beckerhoffs enorm vielschichtigem Trompetenspiel, Bergers hübsch absurden Synthie-Retro-Sounds und Ulrichs Elektrodrum-Grooves an Jan Hammers „Miami Vice“-Soundtrack oder Miles Davis' „Tutu“ erinnert – wenn da nicht dieses Faible für unverkitschte Weltmusik wäre, das das Trio in seinen Melodiewendungen zu erkennen gibt.
Da wäre beispielsweise die ohrwurmhafte, zwischen Afro-Pop und Calypso changierende Klavier-Akkordfolge, die sich beim Eröffnungsstück „Ouagadougou“ plötzlich aus dem Synthetik-Nebel herausschält. Oder das kryptoindische Gelache, Geseufze, Geplappere, das aus Beckerhoffs Trompete in „Mumbai Girl Talk“ zu vernehmen ist. Was aber gleichzeitig auch irgendwie an „Sketches Of Spain“ erinnert.
So oder so sollte man nicht den Fehler machen, die akustische Kinovorstellung auf „Cinema“ aufgrund ihres mutwillig gestrigen Klanggewands als Wiederaufnahme eines verstaubten Klassikers zu betrachten. Wie auch immer die drei Ganoven Beckerhoff, Berger und Ulrich das auch hinbekommen mögen – es gelingt ihnen, auf eigentümliche Art total hip zu sein. Vielleicht haben ja doch dunkle Mächte ihre Finger im Spiel.

Josef Engels, 02.02.2013



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