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Ferdinand David

Musik für Violine und Klavier

Stephan Schardt, Philipp Vogler

MDG/Codaex MDG 903 1774
(76 Min., 4/2012)

Schon allein, dass Mendelssohn sein berühmtes Violinkonzert für ihn schrieb, sichert seinem Jugendfreund Ferdinand David (1810 - 1873) einen Ehrenplatz in der Musikgeschichte. Vor allem muss es neugierig machen auf Davids eigenes Violinschaffen. Nachdem er zunächst vor allem mit Konzerten hervorgetreten war, widmete David sich ab 1840 vor allem der Kammermusik – und diesem Teil seines Œuvres hat Stephan Schardt eine ganze CD gewidmet.
Die Titel der Werke führen etwas in die Irre, denn das „Salon-Duett“, die „12 Salon-Stücke“ und die „Impromptus en forme de valse“ sind mehr als bloße Unterhaltungsmusik zu klappernden Teetassen. Der Wahl-Leipziger David, der in seiner Violintechnik die Errungenschaften Paganinis mit dem klassizistischen und barocken Erbe zu versöhnen suchte, tut dies auch in seinen Kompositionen: Ein Walzer ist bei ihm nicht nur zum Tanzen da, sondern wird improvisatorisch entwickelt und kontrapunktisch durchgeführt; Präludien und Kanons finden ihren Platz neben Balladen und Märschen. Umgekehrt erstarrt David auch nicht in Ehrfurcht, wenn er die von Bach inspirierte Gigue seiner Suite für Violine solo mutwillig mit einer modernen virtuosen Geste ausklingen lässt.
Dem Interpreten verlangt dieses Balancieren sowohl technisch als auch musikalisch viel stilistisches Feingefühl für Zwischentöne ab. Stephan Schardt, der sich sowohl als Konzertmeister der Musica Antiqua Köln wie moderner Sinfonieorchester einen Namen gemacht hat und von Philipp Vogler einfühlsam auf dem modernen Flügel begleitet wird, trifft den klaren, fein schattierten Ton der „klassizistischen Romantik“ auf das Überzeugendste und begeistert zudem mit einer makellosen Technik. Und wenn er sich in dem Bestreben, Ferdinand David nach Gebühr aufzuwerten, alle Anklänge an gefühlige Salonseligkeit etwas zu streng versagt, dann kann man ihm dies auch verzeihen.

Carsten Niemann, 09.02.2013



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