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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Giovanni Bottesini

Arien, Romanzen & Fantasien für Kontrabass

Alberto Lo Gatto, Emanuela Galli, Luca Antoniotti

Pan Classics/Note 1 PC 10271
(51 Min., 1/2012)

Natürlich hört es sich absurd an, die großen Arien aus der Blütezeit des Belcanto ausgerechnet auf dem Kontrabass wiedergeben zu wollen ‒ aber Giovanni Bottesini (1821 - 1889) war auch nicht irgendwer: Der vielseitige Kontrabassvirtuose und Komponist, der außerdem auch noch als Uraufführungsdirigent von Verdis „Aida“ in die Geschichte einging, soll auf dem Kontrabass sowohl die menschliche Stimme als auch andere Instrumente täuschend echt nachgeahmt haben. Zeitgenossen waren sogar versucht, „neben oder hinter Bottesini zu schauen, um herauszufinden, ob dort nicht eine Klarinette, eine Geige oder eine Flöte versteckt sei“.
Bottesinis Spiel erstaunte also nicht nur wegen seiner technischen Virtuosität, sondern auch wegen seiner Klangfarben ‒ und diese sind, neben einem ausgesprochenen Sinn für rhetorische Nuancen, die Stärke der vorliegenden Einspielung von Arien, Romanzen und Fantasien Bottesinis. Alberto Lo Gatto, der wie Bottesini auf einem Dreisaiter spielt, und Luca Antoniotti, der ihn auf einem farbenreichen, silbrig schimmernden Érard-Klavier von 1871 begleitet, verleihen Bottesinis Belcanto-Bearbeitungen viel Wärme und frühromantisch angehauchte Ausdruckskraft. In drei Kompositionen bekommt man den Kontrabass sogar alternierend bzw. im Duett mit der Sopranistin Emanuela Galli zu hören. Die Aufnahme hebt sich gerade im Sanglichen wohltuend von der kalten Virtuosität vieler Bottesini-Hommagen ab, die nicht dem Sänger, sondern nur dem „Paganini des Kontrabasses“ huldigen. Andererseits gehören virtuose Schaueffekte natürlich auch zu Bottesini. Was die Präzision und Definiertheit des Tons anbelangt, gelangt Lo Gatto hier an seine Grenzen. Doch bleibt er ein sympathischer Salonlöwe, der mit Geschmack zu brüllen weiß.

Carsten Niemann, 30.03.2013



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