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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Ludwig van Beethoven, Robert Schumann

Variations (Eroica-Variationen op. 35, Sinfonische Etüden op. 13 u.a.)

Emanuel Ax

Sony 88765420862
(72 Min., 6/2012)

Emanuel Ax‘ Karriere verläuft seit Jahrzehnten in derart solide-unaufgeregten Bahnen, dass man fast vergessen könnte, was für ein großer Pianist er doch ist. So mag es einem auch mit dieser CD gehen. Verglichen mit donnernd selbstgewissen Versionen wirken seine „Eroica-Variationen“ geradezu gefällig, gezähmt und plüschig.
Dieses Stück kommt meist als trotzig gehämmerter Kraft-Beethoven daher, dessen schattenlose Architektur das Publikum mit einem gewissen Interesse, aber ohne sonderliche Freude durchwandert. Dem setzt Ax eine Welt des Dämmerlichts und der Zweifel entgegen, zart um jenen Dominantseptakkord entworfen, auf dem das Thema im dreizehnten Takt einfach stehenbleibt. Das unerhört abwechslungsreich komponierte „Echo“ dieser Fermate wird so etwas wie Ax‘ fein ausgesponnener roter Faden durch dieses Werk. Von der allerersten, nur die Bassstimme abhandelnden Variation an lässt Ax die Es-Dur-Energien mit einer detailverliebten Behutsamkeit verebben, die uns neugierig macht, wie Beethoven diese zweifelnden Gegenkräfte wohl verwandeln wird. Viele Pianisten zelebrieren diese Momente um der Kontrastwirkung willen – sehr schön und sinnvoll auch das –, bei Ax aber wird dieser „Innehalt“ allmählich zu einer Art verborgenem Gegenthema. Schon in der versonnenen fünften Variation hält er die Fermate so lange, bis wir beunruhigt aufhorchen müssen, sei das Umfeld noch so unverbindlich klangschön und poliert, und in der großen Moll-Variation lässt er ahnen, dass diese Mächte melancholischen Stillstandes einmal siegen könnten.
Aber alles wird gut: Mit der geradezu euphorisierend klangschön und kontrolliert aufgebauten Fuge stellen Ax und Beethoven die heile Welt wieder her. Es ist ein Vorgriff auf das Wunder des Opus 110, und Ax führt uns das Erlösungsereignis schlüssig vor Ohren: Im Abgesang der Coda sind die hemmenden Kräfte des ominösen Dominantseptakkords abgebaut, glücklich fließt die Melodie über diese Schwelle hinüber.
Jetzt ist leider gar kein Platz mehr für ein paar Schumann- und Haydn-Komplimente übrig. Aber glauben Sie mir, auch das wird betörend gediegen geboten. Bleibt nur meine dringende Empfehlung, diese Perle aus dem ganzen Neuerscheinungen-Schrott herauszufischen. Man wird reich und anhaltend belohnt!

Matthias Kornemann, 13.04.2013



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