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Leevi Madetoja

Sinfonie Nr. 2, Kuulervo op. 15, Elegie op. 4 Nr. 1

John Storgårds, Philharmonisches Orchester Helsinki

Ondine/Naxos ODE 12122
(62 Min., 5/2012)

Eine achte Sinfonie und eine abendfüllende Oper ist Jean Sibelius der Welt bekanntlich schuldig geblieben. Für beide Unterlassungen entschädigt uns sein Schüler Leevi Madetoja (1887-1947). Zunächst hörbar im Banne des Übervaters stehend, fand er auf dem Höhepunkt seines Schaffens zu einem eigenen Stil – wobei seine groß angelegte zweite Sinfonie, die unter dem Eindruck des finnischen Bürgerkriegs entstand, in dem unter anderem auch Madetojas Bruder getötet wurde, geradezu die Geschichte dieser Loslösung zu erzählen scheint. In den herrlich weitflächigen Naturschilderungen der ersten Sätze erinnern noch etliche Motive und auch Details ihrer Entwicklung an Sibelius. Die endgültige Wende bringt der dritte Satz, den Madetoja mit differenziertem rhythmischem Gefühl als einen Ausbruch von zwingender, sich rauschhaft steigernder Gewalt gestaltet, die im Augenblick höchster Erregung überraschend in eine ergreifende Elegie umschlägt.
Thematisch passend wird die Sinfonie von der 1913 entstandenen populären Elegie und von dem 1890 entstandenen Tongedicht „Kullervo“ ergänzt, das ein packendes, unabhängig von Sibelius gleichnamiger Jugendsinfonie entstandenes Porträt des tragischen Helden aus dem Nationalepos „Kalevala“ ist. Der kraftvoll, mit unsentimentaler Poesie und zugleich hintergründig dirigierende Storgårds sowie das zugleich brillant und warm timbrierte Philharmonische Orchester Helsinki mit seinen glasklar intonierenden Bläsern sind die Idealbesetzung für dieses Repertoire. Ein eigenes Lob verdienen auch die Tonmeister des Labels Ondine, die Madetojas grandiose Breitwandeffekte mit größter Transparenz und Tiefenschärfe eingefangen haben.

Carsten Niemann, 27.04.2013



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