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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte KV 415, KV 449 (Quintettfassung), Serenade KV 525

Janina Fialkowska, Chamber Players of Canada

ATMA/Musikwelt ACD2 2532
(77 Min., 2/2011)

Ich muss mich bei meinen Lesern für den folgenden Ausbruch aus der gestatteten Textgattung entschuldigen, aber ich kann diese begeisternde Produktion nicht anpreisen, ohne einmal von den Verunsicherungen zu reden, die einen im Konzert erwarten können, wenn das Urteil über Interpretationskunst allzusehr auf den trügerischen Tonträger baut.
Die Veröffentlichungen von Janina Fialkowska, die ich kenne, zwei Folgen Chopin und ein Liszt-Programm, fand ich regelrecht hinreißend. Da hört man ein zart ausgetüfteltes, unmerklich neben dem interpretatorischen Hauptpfad angelegtes, nachdenklich und etwas kokett-spröde den Bewegungen und motivischen Verästelungen nachlauschendes Musizieren, eines, das bewusst auf große Geste verzichten will. Daran ist auch nichts zurückzunehmen, aber es bleibt eine reine Platten-Wertschätzung. Doch wie die Wahrheit beim Fußball auf dem Platz liegt, wartet sie beim Pianisten auf der Bühne. Und so ging ich mit sicherlich völlig überspannten Erwartungen zu Fialkowskas Berlin-Debüt im Rahmen des Berliner Klavierfestivals, einer liebevollen, privat organisierten Konzertreihe, die geradezu ein Muster darstellt, wie es einmal weitergehen könnte mit einem geschrumpften, aber intensivierten Musikleben.
Wie viele Konzertgänger erlebt haben, entscheidet sich schon nach wenigen Takten, ja Sekunden das Schicksal des ganzen Abends – man weiß eigentlich sofort, ob noch zu hoffen ist. Nach ein paar bis zum Zersplittern spröden Grieg-Stückchen sank meine Euphorie zusammen. Kann man es dem Saal anlasten, einem vielleicht unzureichend intonierten Instrument? Eher nicht. Was mir auf der CD noch wie eine silbrig schimmernde, geradezu clavecinistische Verweigerung eines gerundeten Einheitstons vorkam, wirkte im Konzert steif, spitz und keiner Wandlung fähig. Wenn aber – und darin glich das live-Konzept der Pianistin ihren CDs – ein Klavierspiel auf subtile Unterschiede, nicht auf große Ausdruckskontraste baut, dann schärfen sich unweigerlich die Ohren, um am Wege auch die kleinen Unkontrolliertheiten wahrzunehmen, etwa die vielen unregelmäßigen oder ganz wegbleibenden Sechzehntel im Mittelstimmen-Wogen in Schuberts f-Moll-Impromptu (op. 142/1), Imperfektionen, die man bei einem ganz auf herzentblößende Expressivität zielenden Spiel – als seien das „Kollateralschäden“ dieser Haltung – hinweghören würde. Im Rahmen minuziöser Silberstift-Zeichnung funktioniert das aber nicht.
Ja, es war nur ein Abend und also kaum mehr als ein flüchtiger, allerdings abkühlender Eindruck. Womit der Missbrauch der CD-Rezension hier beendet sei – aber es musste sein.
Was ich über die mir bekannten Aufnahmen Fialkowskas oben gesagt habe, gilt auch für diese wirklich wunderbare CD, die zwei der vier von Mozart alternativ in einer Kammerfassung vorgelegten frühen Wiener Konzerte bringt, das seltener zu hörende C-Dur-Konzert K. 415 und eine der Kronen seiner Konzerte, das in Es K. 449. Gerade im höllisch vertrackten kontrapunktischen Finale begegnet man hier einer atemberaubend präzisen, klanglich balancierten und beherzt akzentuierenden Ensemblekunst. Die Zugabe, die Variationen „Ah, vous dirai-je Maman“, Mozartspiel in der Lili Kraus-Kategorie, lässt mich dann vollends zweifeln, ob ich im Konzerthaus wirklich dieselbe Pianistin gehört habe.

Matthias Kornemann, 25.05.2013



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