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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Charles-Marie Widor

Sämtliche Klaviertrios

Trio Parnassus

MDG/New Arts International MDG 303 1794
(62 Min., 6/2012)

Wer den Namen Charles-Marie Widors (1844 – 1937) hört, wird fast zwangsläufig an die Orgel denken: So sehr ist der Begründer der französischen Orgelschule, der 64 Jahre als Titular-Organist von Saint-Sulpice in Paris wirkte, mit diesem Instrument verbunden. Fast unbekannt ist dagegen, dass Widor auch ein beachtliches Repertoire an Salonstücken komponierte. Das Trio Parnassus, dem schon in der Vergangenheit immer wieder beachtliche Entdeckungen gelungen sind, hat sich aus diesem Œuvre nun die Werke für Klaviertrio herausgesucht, bei denen es sich in der Tat um echte Perlen handelt: Man erlebt förmlich, wie Widor, der in Gesellschaft witzig, geistreich sein konnte, von der erhabenen Orgelbank herabsteigt.
Dass er bei aller Eleganz auch im Salon die große Form beherrschte, zeigt das bereits 1878 entstandene, halbstündige Klaviertrio op. 19, dessen duftende aber nie süßliche Melodik dramatisch kontrastiert und in gekonntem Satz von allen Instrumenten durchgeführt wird. Bezaubernde Miniaturen sind Widor auf dem Höhepunkt seines Schaffens mit den „Soirs d'Alsace“ gelungen, in denen er sich behutsam der Programmmusik öffnet und im ersten Satz sogar den in die Sommerfrische ratternden Zug beschreibt. Noch knapper fallen die „Quatre trios“ von 1908 aus, denen trotz ihres späten Entstehungszeitpunkts keine Spur von gründerzeitlicher Schwere anhaftet.
Das Trio Parnassus ist die Idealbesetzung für diese Stücke: Die Musiker spielen brillant, luzide, virtuos und mit glasklarer Intonation; ihr geschmackvoll eingesetztes Portamento wirkt mal innig, mal elegant, aber nie schmierig , während die Kantilenen von Violine und Cello von der inneren Wärme erzählen, die Widor in Gesellschaft stets auch ausgestrahlt haben soll.

Carsten Niemann, 01.06.2013



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