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The Columbia Studio Albums Collection 1955 - 1966

Dave Brubeck-Quartet

Columbia/Sony 88697938812
(695 Min., 10/1954 - 2/1966) 19 CDs

Nach dem Karrierestart, der ihm als Künstler des Labels Fantasy gelang, wurde der Pianist Dave Brubeck mit Columbia zum Weltstar. Er brachte den Jazz nicht nur an die Colleges, sondern auch das hippe Publikum der 1950er, das verhalten ausgedrückte Gefühle mehr schätzte als ungestüme Emotionen, zum distinguierten Jazz. Man war cool, und Dave Brubecks Jazz war es auch. Ein umfassender Beleg sind die 19 Discs mit Studioaufnahmen für das Label Columbia ‒ eine Sammlung der Live-Mitschnitte für das Label steht noch aus.
Brubecks federnd leichter, gleichzeitig akkurat und scharf akzentuierender Stil und sein strenges – wohl schon im Elternhaus und vor allem beim Studium bei Darius Milhaud erworbenes Formbewusstsein – machten ihn zum idealen Mittler zwischen Klassischer Musik und Jazz. Seine klar konturierten Melodien, sein weicher Ton und die von vordergründigen Gefühlsausbrüchen freie Eleganz seiner Improvisationen machten den Altsaxofonisten Paul Desmond zu einem Traumpartner. Da auch die Bassisten Bob und Norman Bates, Joe Benjamin und ab 1959 Gene Wright sowie die Schlagzeuger Joe Dodge und ab 1954 Joe Morello diesem strengen Konzept folgten, war die klangliche Identität des Quartetts über einen langen Zeitraum gegeben.
Mit den Alben „Jazz Impressions Of Eurasia“ (1958), „Bossa Nova U.S.A.“ (1963) und „Jazz Impressions Of Japan“ (1964) brachte er dezent weltmusikalische Einflüsse in den Jazz, und auf „Bernstein Plays Brubeck Plays Bernstein“ (1960) brachten die „Dialogues For Jazz Combo and Orchestra“ seines Bruders Howard Brubeck sowie fünf Bernstein-Kompositionen die Fusion von Jazz und Klassik weiter voran als die zeitgenössischen Versuche des „Third Stream“.
Doch nicht diese Kooperation mit der New York Philharmonic, sondern das Album „Time Out“ (1959) brachte den Durchbruch – ein Treppenwitz der Musikgeschichte, dass sich die A&R-Manager der Firma Columbia gegen die Veröffentlichung des im 5/4-Takt gehaltenen „Take Five“ stemmten und der Präsident der Firma, der Musiker Goddard Lieberson, die Veröffentlichung durchsetzen musste. Seitdem war Brubeck derjenige, der mit coolen Rhythmen dem Jazz ein intellektuelles Gewand verlieh. Mit den Alben „Time Further Out“ (1961) und „Time Changes“ (1964) unterstrich er diesen Nimbus. Dabei gelang ihm das Kunststück, eine sofort erkennbare klangliche Identität immer wieder aufs Neue zu erneuern und zu erfinden, ohne in bewährten Schemata zu verharren.
Die klanglich bestens aufgearbeiteten Originale wurden in miniaturisierte Versionen der originalen LP Cover gesteckt; die discographischen Angaben finden sich in einem separaten Booklet. Dass auf Kommentare verzichtet wurde, ist bei einem Preis von rund 60 Euro für die komplette Box verzeihbar.

Werner Stiefele, 08.06.2013



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