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Crazy Blues

China Moses, Raphaël Lemonnier

Emarcy/Universal 3718437
(65 Min.)

Schon auf ihrem Tonträger-Debüt als Jazzsängerin, dem 2009 im Gedenken an Dinah Washington veröffentlichten „This One's For Dinah“, hatte sich China Moses vor einer prominenten Vorgängerin verbeugt. Mit „Crazy Blues“ verfolgt die Tochter von Dee Dee Bridgewater diesen Weg nun konsequent weiter. Insgesamt neun großen Damen, die alle mittlerweile im Musikerhimmel weilen, zollt die 35-Jährige nun Tribut – von Mamie Smith, dem ersten Plattenstar des Blues, über „Lil“ Green bis hin zu Janis Joplin, Etta James und Donna Summer.
Der raffinierte Kniff: Moses huldigt ihren weiblichen Heldinnen mit einer Reihe von freundlichen Rangeleien mit der Männerwelt. Eigentlich in jedem Stück lässt sich die mit allen Wassern des Blues und der Koketterie gewaschene Vokalistin auf ein freundschaftliches Duell ein: mal mit Sängern wie dem britischen Swing-Dandy Hugh Coltman („Closing Time“) oder dem französischen Soul-Unikum Sly Johnson („Cherry Wine“), mal mit den Saxofonisten Pierrick Pedron und Luigi Grasso – und immer wieder natürlich mit ihrem pianistischen Alter Ego, dem Errol-Garner-Fan und Boogie-Kenner Raphaël Lemonnier. Letzterer war auch für die Arrangements zuständig, die sich respektvoll grinsend vor der Big-Band-Tradition und dem Two-Beat-Jazz verneigen.
Wer China Moses nur für eine begabte Schreihälsin im Schatten ihrer Mutter halten sollte, wird hier eines Besseren belehrt. Vor allem mit ihren abgründig-dunklen Interpretationen à la Nina Simone („Work Song“ und „Just Say I Love Him“) erweist sie sich als reife Musikerpersönlichkeit. Ihr Meisterstück in Sachen Sängerinnen-Hommage hat China Moses mit „Crazy Blues“ abgelegt. Jetzt ist es an der Zeit, selbst Geschichte zu schreiben.

Josef Engels, 13.07.2013



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