Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert e-Moll (Urfassung), Streichoktett (revierte Fassung 1832), 3 Lieder

Daniel Hope, Sebastian Knauer, Chamber Orchestra of Europe, Thomas Hengelbrock

DG/Universal 477 6634
(65 Min., 06/2007) 1 CD

Seine Familie hat Mendelssohns Lehrer Zelter zum direkten Vorfahren. Ihm selbst wie seinem großen Vorbild Yehudi Menuhin ist das ehedem "entartete" Werk ein Herzensstück (gewesen). Nicht weniger als diese persönlichen Motive trieb Daniel Hope pure Neugierde zu Mendelssohn. Zunächst beim Notentext, bei dem er die unlängst von R. Lang Todd erstellte Urfassung des Werkes von 1844 wählte. Die zahlreichen Änderungen gegenüber der Endfassung sind zwar meist "nur" subtiler Art, einige wenige aber (wie der Höhepunkt der Durchführung und die Kadenz des Kopfsatzes oder die Überleitung zum langsamen Satz) dafür um so ohrenfälliger. Das gilt erst recht für den mitreißenden Schwung der Interpretation. Zerbrechliche, elegische Elfenpoesie: Die Attribute, mit denen man Mendelssohns geniales Konzert gemeinhin belegt, werden hier mit einer guten Prise Sturm-und-Drang gewürzt. Nicht wohlgeformter Schönklang, sondern Leidenschaft und Emphase treiben Hope und Hengelbrock an, wie schon zu Beginn den kleinen, bewusst gesetzten Solo-Glissandi zu entnehmen ist. Mit detailversessen herauspräparierten "Nebenstimmen" und harschen, kantigen Dissonanzballungen befreit das COE seinen Part von allem begleitend Gefälligen. Das jugendgeniale Streichoktett, von Hope mit gleichwertigen COE-Solisten, ebenfalls in ungewohnter Fassung präsentiert (der revidierten von 1832), strotzt nur so von spritziger, übermütiger Musizierlust. Als "besänftigende" Zugabe wirken da die drei arrangierten Lieder – allerdings ohne ins Gefühlige abzugleiten. Eine Reverenz an Mendelssohn also, wie sie referenzhafter nicht sein könnte.

Christoph Braun, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top