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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Jörg Widmann

Violinkonzert, Antiphon, Insel der Sirenen

Christian Tetzlaff, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Daniel Harding

Ondine/Naxos ODE12152
(60 Min., 9/2011, 9 & 11/2012)

Bis knapp zur Minute 19 hat Christian Tetzlaff bereits ein riesiges Klangfeld durchmessen. Nonstop, ohne eine einzige wirkliche Pause. Gleich zu Beginn von Jörg Widmanns Violinkonzert stößt Tetzlaff solo mit rhapsodischer Nachdenklichkeit den Grundimpuls für alles Kommende an. Aus spätexpressionistischem Furor über Kantilenen wie Nachtschattengewächse bis hin zu idyllischen Stimmungsmomenten, die einen schnell entflammbaren Kern in sich tragen, besteht diese unablässig sich ausdehnende und zusammenziehende Klangwelt anno 2007. Und plötzlich, eben auf zwei Drittel dieses riesigen Parcours, kommt es zu einer radikalen Zäsur. Ins Nichts versiegt dieses Treiben, verharrt für 15 Sekunden bewegungslos, still – bevor Solist und Orchester auf einen Schlag aus dem Dämmerzustand gerissen werden. Zusammen mit dem für alle musikalisch unberechenbaren Seitenwege und Abgründe bestens gewappneten Schwedischen Radio-Symphonieorchester setzt Tetzlaff mit phänomenaler Sicherheit bei den spieltechnischen Klippen dieses geigerische Riesenlamento fort. Und einmal mehr hat Widmann beeindruckend unter Beweis gestellt, wie sich die bis zum Fin de Siècle und zu Alban Berg zurückreichende Musikgeschichte im 21. Jahrhundert fruchtbar machen lässt.
Um einiges abstrakter ist dagegen Widmanns „Insel der Sirenen“ angelegt, das er 1997 für Isabelle Faust komponierte und das nun ebenfalls in Tetzlaff seinen Meister gefunden hat. Nach einem orchestralen Klangfarbennetz, das sich mal gespenstisch zart, mal aufreizend wild bewegt, setzt Tetzlaff zu einem spannungsgeladenen Glasperlenton an, aus dem sich eine ungemeine Sogkraft entwickelt. Was für ein Kontrast ist dazu das Orchesterstück „Antiphon“ mit seinen riesigen Fortissimo-Klippen und unwirklichen Klanginseln am Rande der Stille. Und auch hier hält Dirigent Daniel Harding nicht nur die Zügel mit einer mikroskopischen Detailgenauigkeit in den Händen, sondern sorgt für elektrisierende 20 Minuten. Nimmt man noch die Aufnahmequalität sowie den höchst lesenswerten Booklettext von Christoph Schlüren hinzu, kann man von einer rundum gelungenen Produktion in Sachen „Neue Musik“ sprechen.

Guido Fischer, 03.08.2013



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