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Magnetic

Terence Blanchard

Blue Note/Universal 9033542
(68 Min.)

Was kennt Terence Blanchard eigentlich nicht? Sein Horizont ist so weit, dass er Elemente des Sounds von Weather Report, der verschiedenen Stilepochen von Miles Davis – insbesondere dessen 60er-Jahre-Quintett mit Wayne Shorter und Herbie Hancock ‒ ebenso souverän vermengt wie er auf die lichten Konstruktionen des europäischen Jazz, die filigranen Klanggespinste, aber auch den kernigen Hard-Bop, die in Vinyl gebannten Studio-Jams der frühen 1950er, die ausgeflippten Space-Werke der 1970er, den Beat der Marching Band sowie die Elektronik-Experimente von den 1960er Jahren bis heute für seinen Klangkosmos zurückgreifen kann. In zehn packenden Kompositionen finden sich Spuren dieses universellen Wissen, bestens und unauffällig zusammengefügt, als halte sie ein starker Magnet zusammen.
Klein und fein ist die Band: Der Saxofonist Brice Winston garantiert Improvisationslust und den Spaß an tragenden, manchmal sanften, manchmal harten Melodien. Fabian Almazan, Joshua Crumbly und Kendrick Scott bilden an Piano, Kontrabass und Schlagzeug eine flexible, traumhaft zusammenwirkende, sowohl als Impulsgeber als auch als Motor fungierende Rhythmusgruppe. Hinzu kommen als Gäste der Bassist Ron Carter, der Saxofonist Ravi Coltrane und der Gitarrist und Sänger Lionel Loueke. Der Bandleader Terence Blanchard integriert sich als Solist ohne Sonderrechte in das Ensemble. Der Ausdrucksreichtum seiner Trompete reicht vom verhangenen Klang à la Tomasz Stanko bis zum explosiven der frühen Bebop-Sessions, umfasst zudem elektronische Verfremdungen und den Einsatz von Effektgeräten. Die Arbeit an mehr als 50 Filmsoundtracks hat ihn also nicht davon abgehalten, sich an seinem Hauptinstrument in Form zu halten.

Werner Stiefele, 10.08.2013



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