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Into The Woodwork

The Swallow Quintet

Xtra Watt/ECM 279 8380
(56 Min., 11/2011)

„Out of the woodwork“ bezeichnen Amerikaner Dinge, die aus heiterem Himmel geschehen. Der E-Bassist Steve Swallow dreht die Redewendung herum: Er stürzt sich gewissermaßen in das Unerwartete. Das fängt schon mit der Besetzung an, die der 73-Jährige für „Into The Woodwork“ gewählt hat. Die Kombination aus Tenorsaxofon, Gitarre, Hammond-Orgel, E-Bass und Drums verspricht ja normalerweise Schweißtreibendes wie Soul-Jazz oder Fusion.
Doch nichts würde diesem ungemein verhalten agierenden Quintett ferner liegen als irgendwelche angeberischen Muskelspiele. Man höre nur, wie Steve Cardenas' Gitarre, Carla Bleys Orgel und Chris Cheeks Saxofon in „Sad Old Candle“ behutsam, wie vor flackerndem Kerzenschein, miteinander tanzen; ja, selbst das Schlagzeug hat seine stillen Solo-Momente, wenn es von Jorge Rossy in der schon beinahe kabarettistisch anmutenden Bären-Wortspiel-Fantasie „Grisly Business“ zum Knacken und Knistern gebracht wird. Selbstverständlich bekommt auch der zurückhaltende Bandleader Gelegenheit dazu, seine berührende Reduktionskunst auf dem Bass zu zeigen. Swallows Solo in „Suitable For Framing“ ist wirklich zum Einrahmen schön.
Bevor man es sich aber zu sehr bequem machen will in der elegischen Grundstimmung des Albums, wird man von Swallow und seinem Quintett immer wieder trocken-humorvoll überrumpelt. Vor allem Carla Bleys Orgelspiel nötigt dem Hörer oft ein Grinsen ab (etwa, wenn Bley in dem kirchentagstauglichen „Still There“ unversehens ein „Glory, Glory, Hallelujah“ unterbringt). „Exit Stage Left“, der Rausschmeißer der CD, könnte sogar glatt von Helge Schneider sein. Ein großer, entspannter, unerwarteter Spaß.

Josef Engels, 10.08.2013



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