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Fernand de la Tombelle

Trio op. 35, Quatuor op. 36

Laurent Martin, Quatuor Satie

Ligia/Klassik Center LID030223512
(62 Min., 9/2011)

„Aber abseits, wer ist’s?“… Jede Epoche, jede nationale Schule hat ihre Mainstream-Figuren und, rechts und links der breiten Wege, ihre mehr im Schatten wandelnden Gestalten, deren Spuren allzu schnell verschwinden. Eine solche Gestalt scheint Fernand de la Tombelle (1854 - 1928) zu sein, Schüler von Guilmant und Dubois (wer kennt wenigstens noch die?), im Jahre 1896 immerhin Mitbegründer der berühmten Pariser „Schola Cantorum“. Sein Stil weist vor allem Verbindungen zum Idiom Gabriel Faurés auf: Höchst geschmeidig und elegant auf melodischer und harmonischer Ebene, zu Hause im Spektrum jener breiten, ja der gesamten Tonartenpalette, die am Fin de siècle die filigranen Kantilenen einer feinnervig-sensiblen, leicht angespannten bis überspannten Kammermusik zu umschmeicheln pflegte. Elektrisierender Moment am Beginn des Streichquartetts op. 36: Irgendwo zwischen Bruckner und Strauss scheinen hier die ersten Takte angesiedelt zu sein, assoziativ rekapitulierend und vorwegnehmend, was diese dichte, bewegte Zeit bot und noch bieten würde …
Es ist ein Glück, dass sich mit dem Quatuor Satie und dem Pianisten Laurent Martin fünf wahrhaft kompetente Künstler dieser großartigen Musik angenommen haben: Nicht nur auf CD, sondern überhaupt erstmals auf einem Tonträger erscheinen diese beiden überaus hörenswerten Kammermusikwerke, die ihren Hörer unmittelbar ergreifen und nicht so bald wieder loslassen.

Michael Wersin, 10.08.2013



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