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The Vigil

Chick Corea

Concord/Universal 7234578
(77 Min., 12/2001)

Die alten Römer verstanden unter einem „Vigil“ einen Wächter, im alten Christentum war damit die nächtliche Vorfeier auf ein Fest gemeint, und in den Apotheken gibt es gegen Rezept den Wachmacher „Vigil“. Aber was bewacht der Wächter von Chick Corea? Das Titelbild – ein Ritter mit Rüstung, ein überdimensioniertes Pferd, verwolkte Farbschleier – könnte aus einem Fantasyfilm stammen. In den sieben Titeln hält Corea die Erinnerung an die rhythmische Pracht und Melodienseligkeit, die er in den 1970ern mit der Band Return To Forever in den Jazz einführte, und das Powerplay seiner späteren Elektric Bands lebendig. Sein Faible für vertrackte, trotzdem eingängige Arrangements prägt die 77 Minuten ebenso wie die Fähigkeit, aus knappen, impulsiv wirkenden Melodiefetzen große Bögen zu spannen. Der Schlagzeuger Marcus Gilmore, der Bassist Hadrien Feraud, der Saxofonist Tim Garland sowie der Gitarrist Charles Altura sind kongeniale Partner für Coreas spannungsgeladenes Spiel auf Klavier und Keyboards.
Mit enormer Power gestalten sie die live und im Studio aufgenommenen Titel, jagen sich in rasante Passagen, brechen ab, verändern Klangfärbungen und behalten – vor allem dank Coreas E-Piano – ein unverwechselbares Klangbild. Als Gäste klinken sich zudem Coreas Ehefrau Gayle Moran mit einem Song, der Perkussionist Pernell Saturnino sowie der Bassist Stanley Clarke und der Saxofonist Ravi Coltrane ein. Diese Band verleiht den Studio- und Live-Aufnahmen jene federnde Leichtigkeit, die einst die Band Return To Forever auszeichnete. Trotz dieser Rückbezüge wirkt Coreas ganz persönliche Form der Fusion jung und erfindungsreich – völlig unabhängig davon, dass er schon 72 Jahre alt ist. Dem martialischen Titelbild entsprechend passt er auf, dass die Fusion nicht völlig von moderneren Spielarten des Jazz verdrängt oder vereinnahmt wird.

Werner Stiefele, 17.08.2013



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