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Wolfgang Amadeus Mozart

Die Entführung aus dem Serail

Yelda Kodalli, Paul Groves, Désirée Rancatore, Peter Rose, Lynton Atkinson, Oliver Tobias, Scottish Chamber Orchestra, Scottish Chamber Choir, Charles Mackerras

Telarc/In-Akustik 0 899408 05442 6
(132 Min., 3/1999, 5/1999) 2 CDs

Mal ehrlich: Wer interessiert sich noch für den türkischen Tschingderassabum und den hehren abendländischen Humanismus, der Mozarts Entführungs-Singspiel zum glücklichen Ende führt? Natürlich kann ein "politisch korrekt" denkender Regisseur einiges damit machen - à la "Ausländerproblematik" und "Männerfantasien" zum muselmannischen Harem. Zumal sich Mozart gerade in seine Constanze verliebt hatte, als ihm J. G. Stephanies Libretto von der ent- und verführten Konstanze und ihrer Dienerin Blonde (welche Namen!) über den Weg lief.
Auf Platte verblasst bald solcher Bedeutungs-Kram. Dafür nimmt Mozarts Musik gefangen - nicht so sehr das modische "alla turca", sondern die Arien, die vor allem in den revidierten Langfassungen zu den technisch anspruchsvollsten und psychologisch ausgefeiltesten der Literatur gehören. Für Charles Mackerras' Einspielung gilt diese "Gefangennahme" nur bedingt. Seine Hauptprotagonisten Yelda Kodalli und Paul Groves kämpfen nicht nur mit der deutschen Aussprache, sondern auch mit Mozarts Spitzentönen und Koloraturen. (Paradox-witzig überdies, dass ausgerechnet die türkische Sopranistin die Konstanze mimt - hier wie auch im Film "Mozart in Turkey", der dieses Jahr in die Kinos kommen soll.)
Den drei buffonesken Nebenrollen lauscht man mit Vergnügen, auch wenn Désirée Rancatore ihrer koketten Blonde etwas viel Vibrato aufträgt. Mackerras dirigiert sein schlank und federnd aufspielendes Kammerorchester, in das schmetternde Hörner Würze und Pepp einbringen; die Arien zeigen Mackerras als orchestral-psychologischen Feinzeichner. Allerdings ging ihm bei so viel Einfühlungsvermögen offenbar der nervige Impuls verloren, der Gardiners oder Harnoncourts Entführung vor dieser schottischen auszeichnen. Dafür gibt es ein Tschingderassabum im Originalinstrumentarium einer türkischen Militärkapelle.

Christoph Braun, 03.08.2000



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