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Wolfgang Amadeus Mozart

Arien

Anna Moffo, Philharmonia Orchestra, Alceo Galliera

Testament/Note 1 SBT 1193
(64 Min., 1958) 1 CD

Zieht man auf der Suche nach Wissenswertem über die italo-amerikanische Sopranistin Anna Moffo Jürgen Kestings Nachschlagewerk "Die großen Sänger" zu Rate, so findet man dort nur eine exakte Chronologie ihres frühen stimmlichen Ruins Ende der sechziger Jahre und ihrer angeblich nur peinlichen Comeback-Versuche in den Siebzigern. Zweifellos war die große Karriere der 1932 geborenen Sängerin bedauerlich kurz: Sie begann mit Karajans legendärer, 1956 auf CD festgehaltener "Falstaff"-Produktion und setzte sich fort mit ihrem Met-Debüt als Violetta 1959. Einige Jahre später schon begannen Probleme hörbar zu werden, deren Ursachen wohl auch in selbstverschuldeter Überforderung begründet sind.
Sensationslüstern und schadenfroh ist es jedoch, ihre Biografie erst an diesem Punkt beginnen zu lassen. Nahezu legendäre Berühmtheit, wie sie Anna Moffo noch weit über ihre beste Zeit hinaus genoss, muss ihre Ursache in einstiger Brillanz haben. Diese CD ist ein Beweis dafür: Sie vereinigt erstmals sämtliche Mozart-Aufnahmen, die Moffo 1958 für die EMI machte.
Wundervoll gelungene Passagen von berückender stimmlicher Schönheit und großer Ausdrucksstärke kennzeichnen das hohe Niveau dieses Rezitals. Schier unübertrefflich bezüglich der Intensität im äußersten Piano ist beispielsweise der Schluss der "Rosenarie" aus dem Figaro. Stupende Leichtigkeit im Koloraturgesang kann Anna Moffo im "Alleluja" des "Exsultate, Jubilate" unter Beweis stellen. Dass Spitzentöne für sie kein prinzipielles Problem, sondern vielmehr eine Frage der Durchhaltekraft bei andauernd hoher Tessitura sind, belegt das perfekte hohe C am Ende dieses bravourösen Jubelstücks.
Allerdings können die ersten Hinweise auf künftige Schwierigkeiten nicht verschwiegen werden. So perfekt und differenziert die Gestaltung von "Ach, ich liebte, war so glücklich" auch ist: Technisch gelingt der Übergang in die volle Höhe genauso wenig wie in der Konzertarie "Misera, dove son?...Ah! non son io". Mangelnde Fokussierung der Vokale lassen die Stimme im Forte auf unangenehme Weise in den Gaumen geraten und ein erhöhter Kraftaufwand als Folge davon führt zu hörbarer Enge. Solche Passagen schmerzen angesichts der vielen zauberhaften Momente auf dieser CD, aber sie sind so selten, dass man Anna Moffo noch fast ungetrübt genießen kann.

, 03.08.2000



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