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Ludwig van Beethoven

Streichquartette Vol. 2

Belcea Quartet

Zig Zag Territoires/Note1 ZZT 321
(12/2011, 3/2012, 5/2012, 10/2012, 12/2012) 4 CDs

Der hohe technische Standard des heutigen Quartettspiels hat die Grenzen, in denen sich die dramatischen Prozesse Beethovens ereignen, unerhört geweitet, und im Spätwerk erwarten wir geradezu ihre ruppige Überschreitung. Dass sich die Bizarrerie des zweiten Satzes aus dem allerletzten Opus indes im engen Bezirk eines völlig kontrollierten Klanges entfalten kann – die irrwitzige Ostinato-Episode hören wir nicht als den wild heruntergefiedelten Kreistanz, sondern als sogartiges Riesen-Decrescendo – steht beispielhaft für die leise Sensation dieser Aufnahmen, mit denen das Belcea Quartet seinen Beethoven-Zyklus vollendet.
Das Presto des op. 130 gerät in seiner unaufgeregt huschenden Präzision eigentümlich in die Nähe Mendelssohnscher Elfenmusik, und das improvisatorisch herabrieselnde Solo der ersten Geige am Ende des Mittelteils zählt die Primaria wie mit dem Rechenschieber aus – fast alle anderen nuscheln das launig herunter, hier aber wird die Grenze textlicher Ordnung gegen die Weiten des Improvisatorischen eisern verteidigt. Doch der eingefriedete Raum der „Mitte“ wirkt nahezu unermesslich, und dem Weiterhörenden teilt sich der dramaturgische Zweck dieser Detail-Ziselierung mehr und mehr mit. Zum Beispiel im Kopfsatz des Opus 132: Das Seitenthema wiegt sich auf einer von den Belceas ausgesprochen konventionell musizierten Bewegung der Unterstimmen. Andere „entdecken“ sogleich deren motivisches Eigengewicht. Die Belceas locken uns erst einmal in die Gefälligkeitsfalle, um uns in der Reprise umso deutlicher zu zeigen, dass dieses sanfte Wiegen, nun in die Mittelstimmen gewandert und klanglich versprödet, sich als Abkömmling des Eingangsmottos zum Botschafter des unbehaglichen Spätwerk-Tonfalls wandelt und die Coda dann ganz durchdringt. So erweitert die anfängliche Rücknahme die späteren Entfaltungsmöglichkeiten eines Gedankens, und dieser Prozess wird in vielen Varianten durchgespielt.
Auch in den langsamen Sätzen musiziert das Belcea Quartet mit anderen Maßstäben. Der „Dankgesang“ entfaltet sich in rekordverdächtiger Langsamkeit, und nicht das übliche hysterische Umherhüpfen im Krankenzimmer, sondern ein würdig kontrastierendes Andante-Aufleben, in dem der Genesende seine Kräfte ganz allmählich erprobt, steht ihm entgegen. Das Lento assai des Opus 135 ist dann von einer wirklich ergreifenden inneren Ruhe, Schlichtheit und Klangkultur geprägt – man darf diese Version zu den beglückendsten Lösungen im Katalog zählen. Was eigentlich für den ganzen Zyklus gilt.

Matthias Kornemann, 07.09.2013



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