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Antonio Vivaldi

Estro armonico, Libro secondo

Café Zimmermann

Alpha/Note 1 ALP193
(75 Min., 11/2012)

Das Geheimnis des barocken Instrumentalensembles „Café Zimmermann“ entschlüsselt sich von der Continuo-Gruppe her: Die großartige Cembalistin Céline Frisch hat ihre Partner an den Bass-Streichinstrumenten einfach hervorragend im Griff – und dies nicht nur klanglich, sondern ebenso auch rhythmisch. In klanglicher Hinsicht produzieren die Musiker (wenn der Autor die Besetzungsliste richtig deutet, spielen an der Basis zwei Celli und ein Kontrabass) ein warmes und dunkeltimbriertes, gleichzeitig weiches und kräftiges Fundament, über dem sich die Solo-Violinen sicher aufgehoben fühlen dürfen. Dies gilt auch für die rhythmische Ebene: Selbst wenn man bei „Café Zimmermann“ in puncto forsches Voranschreiten à la „walking bass“ hin und wieder etwas übers Ziel hinausschießt – das war auch in den Bach-Einspielungen manchmal so –, ist doch eine eher drängende, hellwach an der Oberkante des Tempos agierende Continuo-Gruppe allemal besser als ein lahmer Haufen, der von den Solisten gezogen werden müsste.
Kurzum: Von unten her kommt auch im zweiten Teil der Vivaldi-Concerti-Sammlung „Estro armonico“ definitiv Leben ins Geschehen. Die Solo-Violinen hingegen sind nicht durchweg vollkommen auf dem Posten: Kleine Unausgewogenheiten oder Nebengeräusche stören ab und zu den Genuss, so fällt etwa die Einleitung des Concerto Nr. 11 interpretatorisch recht bescheiden aus. Das ist zwar bei Weitem kein Dauerzustand, es gibt viele sehr schöne Passagen – und dennoch: „Café Zimmermann“ lebt von seiner Continuo-Gruppe.

Michael Wersin, 21.09.2013



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