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Saturday Morning

Ahmad Jamal

Jazz Village/harmonia mundi JV 570027
(63 Min., 2/2013)

Sie beschimpften ihn als Barpianisten, und der Trompeter Miles Davis erklärte, von eben demselben Musiker habe er 1953 gelernt, wie wichtig Zwischenräume, Pausen und der leichte Atem in der Musik sind. Inzwischen ist der Pianist 83 Jahre alt, und noch immer fasziniert seine leichte, dennoch konzentrierte Spielweise. Bei den sechs Eigenkompositionen und vier Coverversionen begleiten ihn der Percussionist Manolo Badrena, der Schlagzeuger Herlin Riley und der Kontrabassist Reginald Veal – die beiden letzteren hatten sich in den 1990ern Meriten als Sidemen von Wynton Marsalis verdient.
Wie kein anderer beherrscht Jamal die hohe Kunst, eine Melodie so offen anzuspielen, dass sie im Kopf des Hörers weiter klingt, während sie realiter durch eine rhythmische Figur des Bassisten oder gar durch Percussion und Schlagzeug ihrem Ende entgegengeführt wird. Geschickt gesetzte Breaks unterstützen die emotionale Sogwirkung ebenso wie zwischendurch ins Geschehen gestreute, dichte Tontrauben. So schwingt die Musik ebenso beständig wie unmerklich zwischen Extremen. Sie verdichtet sich und wirkt schon wenige Takte später durchsichtig, sie wird intensiv und drängend, ist schon im nächsten Moment zart und leise, wobei Jamal virtuos zwischen hohen und tiefen Lagen des Flügels hin- und herspringt, hart und mit percussiver Energie in die Tasten greift und wenig später elegant davoneilt. Dieses melodientrunkene Auf und Ab strahlt so viel Energie aus, dass die Band die Spannung eine volle Stunde lang hält.

Werner Stiefele, 28.09.2013



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