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Prism

Dave Holland

Okeh/Sony 88883721802
(70 Min., 8/2012)

Angesichts seiner feingesponnenen Aufnahmen der vergangenen Jahre, die ihn mal gemeinsam mit dem Flamenco-Gitarristen Pepe Habichuela, mal im Kontext seines Quintetts, mal zusammen mit seiner Big Band zeigten, konnte man glatt Dave Hollands Herkunft aus den Augen verlieren. Da war doch was! Richtig: Ab 1968 half der britische Bassist Miles Davis bei der Geburt des Fusionjazz.
Über 50 Jahre später schließt sich für Holland nun der Kreis, der sich mit „Filles de Kilimanjaro“ einst öffnete. Denn sein neues Quartett mit Gitarrist Kevin Eubanks, Pianist und Fender-Rhodes-Dompteur Craig Taborn und Schlagzeuger Eric Harland macht tatsächlich das, worüber die Welt jahrzehntelang die Nase rümpfte: Jazz-Rock. Aber auf eine derart eigene Art, dass sich selbst Gegner des Genres gnädig zeigen dürften.
Was vorderhand daran liegt, dass Gitarrist Eubanks weit entfernt von den kühlen Manierismen vieler Fusion-Saitenakrobaten agiert. Der Mann gebietet über eine riesige Palette: Er kann schmutzig klingen wie Jean-Paul Bourelly oder Jimi Hendrix (in the „Empty Chair“ wird denn auch ausgiebig „Purple Haze“ zitiert), er vermag rechtschaffen funky zu sein wie in Harlands Gospel-Afro-Swing-Nummer „Choir“, und schließlich ist er auch noch ein Meister der zurückhaltenden Tongestaltung mit dem Lautstärke-Pedal, wie die Ballade „Breathe“ erweist.
Ähnlich reizvoll wie die organisch zwischen verschiedenen Stilistiken und Metren changierenden Songs auf „Prism“ ist aber auch der Kontrast, der sich aus dem energetischen Spiel der Youngster Taborn und Harland und der Seelenruhe Dave Hollands ergibt (man höre nur das ungemein runde Blues-Basssolo in „Empty Chair“). Der bewusst auf einen E-Bass verzichtende Fels in der Gezeitenbrandung des Jazz bleibt sich auch in diesem von ihm wiederentdeckten Umfeld treu.

Josef Engels, 12.10.2013



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