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Georg Friedrich Händel

Aci, Galatea e Polifemo HWV 72

Roberta Invernizzi, Blandine Staskiewicz, Lisandro Abadie, La Risonanza, Fabio Bonizzoni

Glossa/Note 1 GCD 921515
(90 Min., 6/2012) 2 CDs

Händels „Aci, Galatea e Polifemo“ ist eine Serenata, die der junge Künstler 1708 für eine Hochzeit in Neapel komponiert hat. Das Drei-Personen-Stück (nicht zu verwechseln mit dem englischsprachigen Maskenspiel „Acis and Galatea“ von 1718!) erzählt die traurige, auf Ovids „Metamorphosen“ basierende Geschichte von der Nereide Galathea und dem Pan-Sohn Acis, dessen Glück durch den einäugigen Polyphem zerstört wird: Der Zyklop verliebt sich in die Nereide und ermordet kurzerhand seinen Nebenbuhler. Die Musik ist ein hervorragendes Zeugnis für den überquellenden Ideenreichtum, der des jungen Händel italienische Jahre prägt: Ein wahres Feuerwerk an schmachtenden Liebesduetten, Klagegesängen und grotesken Zyklopen-Arien verstand der zu entzünden, und besonders der Sänger des Polifemo ist mit einem Stimmumfang vom großen D bis zum A1 bis an die Grenzen (oder auch darüber hinaus) gefordert.
Im Jahre 2002 legte die Cembalistin Emmanuelle Haїm eine großartige Einspielung vor, in der Sandrine Piau und Sara Mingardo zwar in puncto Stimmgebung nicht übermäßig „historisierend“, aber hinsichtlich des Ausdrucks und der Musizierfreude mitreißend agieren. Diese Einspielung verschwand leider bald schon wieder vom Markt. Die vorliegende Version, eine ganz und gar eigenständige Interpretation mit stärker historisierender Ausrichtung auch im Gesangsbereich, bietet nicht nur Ersatz für die ältere, sondern stellt auch für sich genommen eine mehr als eindrucksvolle Umsetzung dar: Die Partie des Polifemo, die bei Haїm eher ein Schwachpunkt war, ist mit Lisandro Abadie optimal besetzt. Kernig in der Tiefe und baritonal-geschmeidig in der Höhe, im Lyrischen wie im Dramatischen gleichermaßen überzeugend, gibt er dem hässlichen Einauge ein beinahe allzu sympathisches Gesicht.
Lohnt sich das Doppelalbum schon wegen dieser Leistung, ist es doch auch wegen Roberta Invernizzi und Blandine Staskiewicz eine Anschaffung wert: Die beiden Damen sind zwar nicht so umwerfend exaltiert wie Piau und Mingardo, aber sie gewinnen das Herz des Hörers schon allein durch die pure Schönheit und textnahe Expressivität ihres Gesanges.

Michael Wersin, 19.10.2013



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