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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 24 c-Moll KV 491 und Nr. 27 B-Dur KV 595

Robert Casadesus, Wiener Philharmoniker, Dimitri Mitropoulos (KV 491), Carl Schuricht (KV 595)

Orfeo 4 011790 536125
(59 Min., 8/1956, 8/1961) 1 CD

Gibt es einen Fortschritt in der Kunst? Sicherlich nicht, was ihre Höchstleistungen betrifft: Ein Picasso ist nicht schöner als ein Michelangelo, nur anders schön. Gleiches gilt für Pindar und Proust, Purcell und Puccini. Was die nachschaffende Kunst musikalischer Interpretation angeht, ist allerdings eine Einschränkung zu machen. Hier sind hörbare Fort-, aber auch Rückschritte möglich. Denn sie hängt ab von Wissen um die Komposition und ihren Kontext. Dieses Wissen kann verlorengehen, wie dies etwa für die romantische Pianistik nach Horowitz gelten dürfte. Dieses Wissen kann aber auch gewonnen werden, wie etwa die Erforschung historischer Aufführungspraktiken gezeigt hat. In beiden Fällen gilt: Hat man die entscheidenden Unterschiede einmal begriffen, kann man nicht mehr zurückkehren zu alter Naivität.
So ist dieser Mitschnitt von zwei Mozart-Klavierkonzerten ein schönes Dokument der Farbenkunst des französischen Pianisten Robert Casadesus. Aber gerade im B-Dur-Konzert KV 595 wird seine Kunst Mozarts Finesse nicht gerecht. Ich verweise nur auf den Beginn der Durchführung im ersten Satz, dessen harmonische Abenteuer überhaupt nicht in ihrer Tragweite für die Architektur des Gesamtsatzes erkannt werden. Es dominiert ein traumverlorenes Rosenkavalier-Rokoko, das die auch in dieser Musik enthaltenen Zumutungen nivelliert. Nach Nikolaus Harnoncourt sind wir, mit Verlaub, in dieser Hinsicht wirklich ein Stück weiter gekommen.

Stefan Heßbrüggen, 02.11.2000



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