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Tiefenträume

Steffen Schorn, Norwegian Wind Ensemble

ESC/in-akustik 051131
(62 Min., 10/2011)


Tradition und Avantgarde schließen sich nicht aus. „Det norske blåseensemble“ wurde 1734 gegründet und hat eine Bearbeitung von Händels „Messiah“ ebenso selbstverständlich im Repertoire wie eine Bläserversion von Igor Strawinskis „Geschichte vom Soldaten“ oder ein Frank-Zappa-Memorial. Der Kölner Saxofonist und Komponist Steffen Schorn schrieb den Norwegern als künstlerischer Berater vier Konzertprogramme, darunter das neunteilige „Tiefenträume“. Dieses ragt weit aus dem heraus, was Jazzmusiker gemeinhin im Grenzbereich zur so genannten „Klassik“ produzieren.
Mit profundem Wissen über Klangkonstellationen führt Schorn die einzelnen Instrumentengruppen in einem vielstimmigen Geflecht. Atemberaubende Tutti und fast brüchige Passagen umfasst das Werk, das mit sphärischen, getragenen Sounds beginnt und mit ebensolchen wieder endet. Drei Flöten, zwei Oboen, drei Klarinetten, zwei Bassklarinetten, zwei Saxofone, zwei Fagotte, drei Trompeten, zwei Waldhörner, drei Posaunen und eine Tuba, dazu Kontrabass und Schlagzeug umfasst die Stammbesetzung, die Schorn um den Saxofonisten Roger Haenschel, das Vibrafon, zwei Schlagzeuge und sich selbst erweitert. Mit Alt- und Bassflöte, Baritonsaxofon, Bass- und Kontra-Altklarinette, dem tiefen Tubax sorgt er selbst für besonders tiefe, manchmal gar schnarrende Klänge. Markant pulsierende, swingende und klangmalerische Passagen fügen sich zu einer an Klangfarben und Überraschungen reichen Stunde voll kompositorischer Raffinesse. Wäre der Begriff nicht durch viel zu viel Halbherziges in Verruf geraten, könnte man diese aus der Tradition der „klassischen“ Musik und des Jazz schöpfende Musik als Meisterwerk des „Third Stream“ bezeichnen. Die Tiefenträume haben jedenfalls immensen Tiefgang.

Werner Stiefele, 26.10.2013



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