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Diverse

Bel canto – From Monteverdi To Verdi

Simone Kermes, Concerto Köln, Christoph-Mathias Mueller

Sony 88765455062
(63 Min., 1/2013)

Ihr letztes Recital "Dramma" haben wir vor gut einem Jahr zur "CD des Monats" gekürt, für ihr neues Arienprogramm muss die Bewertung bescheidener ausfallen. 3½ Punkte würden es genau treffen, denn es gibt doch einige Kritikpunkte an Simone Kermes zu vermelden. Zum einen sind etliche überhauchte Töne und aspirierte Koloraturen zu bemängeln, zum anderen stört ihre Vorliebe, in ruhigeren Passagen gelegentlich eine Kleinmädchenstimme einzusetzen – und dann auch gestalterisch in die Defensive zu gehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Rezitativ aus "Linda di Chamounix", in der darauffolgenden Arie reitet die Sopranistin dann aber durchaus Attacke. Und eben dieser beherztere Zugriff passt definitiv besser zu ihrer spektakulären Virtuosität.
Diese Einschränkungen ändern jedoch nichts an der hohen Qualität des Albums. Kermes lässt sich für "Casta diva" die nötige Zeit, legt das Stück wirklich als Gebet an. Auch die zweite Bellini-Arie aus "Adelson e Salvini" gelingt ihr wunderbar innig und entspannt. Mit Donizettis "Betly" beweist sie, dass ihr auch das Komisch-Durchtriebene liegt. Verdi ist mit Ausschnitten aus "I masnadieri" und "Attila" vertreten, und auch wenn ihr das dramatische Fundament für die Rolle fehlt, zieht sie als Odabella eine tolle Agility-Show ab. Die beiden Arien der Königin der Nacht liegen Kermes erwartungsgemäß perfekt in der Kehle, nur den erste Teil von "Zum Leiden bin ich auserkoren" dehnt und zieht sie etwas zu arg. Als (herrlich gelungenen) Ausklang hat die Sängerin Monteverdis "Sì dolce è 'l tormento" gewählt, dabei schweigt allerdings Concerto Köln, das sie mit erstaunlicher Italianità durch das übrige Programm begleitet.

Michael Blümke, 26.10.2013



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