Als kritischer Geist mag man sich immer wieder einmal fragen, welche Laune der Vorsehung wohl die erotische Poesie des Hoheliedes Teil des Alten Testaments hat werden lassen: Die mit den Kirchenvätern einsetzenden exegetischen Klimmzüge, diese Texte in die christliche Lehre zu integrieren, lassen doch immer wieder einmal schmunzeln. Wie auch immer: Für die geistliche Musiktradition war die Kanonisierung dieses literarischen Bestandes ein Glücksfall ohnegleichen – man übertreibt gewiss nicht, wenn man konstatiert, dass vor allem das barocke Repertoire um einiges ärmer wäre ohne „Mein Freund ist mein“, „Ich suchte des Nachts“, „Ich bin eine Blume zu Saron“ oder „Quam pulchra es amica mea“.
Das Ensemble Movimento präsentiert auf dieser CD einige Perlen aus dem schier unüberschaubaren Bestand der Vertonungen aus der Barockzeit. Nele Gramß und Harry van der Kamp agieren vokal ebenso unprätentiös wie gediegen als die wortbegabten Protagonisten der Gruppierung, die erfahrenen Instrumentalisten beteiligen sich auf ihre Art nicht minder eloquent an der sinnenfrohen Vermittlung der hochsinnlichen Botschaften. In den schönsten Momenten fließt die anmutige Grazie der Darbietung mit der zeitlosen Schönheit der Kompositionen zu einem mitreißenden Ganzen zusammen. Eine wirklich erfreuliche CD.

Michael Wersin, 16.11.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

13 Sekunden! Keine Sekunde mehr oder weniger erfreut sich der Hörer an Ludwig van Beethovens Bagatelle op. 119 Nr. 10. Und diese Episode deutet schon auf das entscheidende Schlagwort der neuen Beethoven-CD von Kilian Herold (Klarinette), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Hansjacob Staemmler (Klavier) hin, das da lautet: Kurzweiligkeit. „Composing Beethoven“ präsentiert freilich keine Stangenware, sondern ein klug konzipiertes Album, das originale Werke des Geburtstagskindes mit […] mehr »


Top