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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Gino Pennacchi & Alessandro Scillitani (Regie)

Himmlische Stimmen (Das Erbe von Farinelli)

Max Emanuel Cencic, Philippe Jaroussky, Andreas Scholl u.a.

Arthaus/Naxos 101689
(75 Min., 2012)

Countertenöre gibt es inzwischen nicht nur wie Sand am Meer, die Scholls und Jarousskys sind längst annähernd so populär wie die konventionellen Sopran-Diven und Heldentenöre. Und so kommt das Film-Porträt über sie zur rechten Zeit. Als Aufhänger haben die beiden Regisseure Gino Pennacchi und Alessandro Scillitani den Kastraten Farinelli genommen, der zwar nicht der einzige Superstar der Barockmusik war. Doch gerade sein Name steht für den „Kontrast zwischen der größten Grausamkeit, die man jemandem antun kann, und der Tatsache, dass eine erhabene Stimme daraus resultierte“. Genau das macht für Philippe Jaroussky die unverminderte Faszination an seinen stimmlichen Urahnen aus. Jaroussky und sein Kollege Max Emanuel Cencic sind es daher, die zwischendurch immer wieder Erhellendes und Wissenswertes einstreuen in diese Dokumentation, die den Bogen vom frühen 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart schlägt, um das Phänomen „Countertenor“ historisch und im aktuellen Konzertbetrieb zu beleuchten.
Dafür haben die beiden Regisseure nicht nur Musikwissenschaftler interviewt, um den Vorhang der von Farinelli verkörperten, spannenden wie erschütternden Kastraten-Epoche zu lüften. Neben Ausschnitten aus dem Schallarchiv mit Aufnahmen des letzten, 1922 verstorbenen Kastraten Alessandro Moreschi wird anhand ausgewählter Opernlivemitschnitte zugleich die Entwicklung der Countertenor-Generationen im 20. und eben 21. Jahrhundert nachgezeichnet. Auch Franco Fagioli, Andreas Scholl und Valer Barna-Sabadus erinnern sich dann, wie ihre Stimme entdeckt wurde. Und selbst einen kleinen Seitenweg hin zu den Pop-Hochtönern Bee Gees und zu burlesken Crossover-Countertenören schlägt man ein. Wer somit hinter das auch stimmphysiologische Geheimnis all dieser „Himmlischen Stimmen“ kommen möchte, kommt an dieser DVD nicht vorbei.

Guido Fischer, 30.11.2013



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