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Magic Hands

Arno Haas

Foxtones/Heinzelmann FM1313
(47 Min.)

Wer schon einmal in einem Quartett namens „Sorry It's Jazz“ mitgespielt hat, dem darf man einen gewissen Sinn für Selbstironie unterstellen. Schade eigentlich, dass der durch unzählige Produktionen mit u.a. Franco Ambrosetti, Wolfgang Haffner, Joo Kraus und Paul Kuhn gestählte Schwarzwald-Saxofonist Arno Haas bei seinem CD-Debüt unter eigenem Namen keinen Spaß versteht: „Sorry It's Smoothjazz“ wäre ein fraglos passender Titel gewesen angesichts der massiven Akzeptanz-Probleme, die die von Haas auf „Magic Hands“ gespielte Musik hierzulande hat.
Anders als in den USA hat es die hörerfreundliche Spielart des Fusionjazz in Deutschland extrem schwer, was möglicherweise an den wetterbedingt stark eingeschränkten Cabrio-Fahrmöglichkeiten liegt. Deshalb ist es auch konsequent, dass sich Haas für die Aufnahmen nach Los Angeles begab. Das ist für einen deutschen Musiker ohne großes Label im Rücken keine Selbstverständlichkeit – wie auch die Riege der an den Sessions beteiligten Personen. Unter der Regie von Produzent Tom Saviano, der schon mit Ray Charles, Chicago oder Earth, Wind & Fire zusammenarbeitete, gaben sich Genre-Spezialisten wie Drummer Vinnie Colaiuta, Perkussionist Lenny Castro oder Saxofon-Kollege Everette Harp die Studiotüren-Klinken in die Hand.
Das Ergebnis ist klanglich perfekt austarierter Wohlfühl-Popjazz ohne große Überraschungen, bei dem man jedes Triangel-Klingeln, jede Gitarren-Singlenote und jede Slapbass-Verzierung peinlich genau hört. Und abgesehen von den arg an die Sopransax-Gräueltaten des Kenny G. gemahnenden “Don't Doubt My Love” und einigen aus dem 80er-Giftschrank herausgeholten Keyboardsounds werden die Geschmacksnerven immerhin nicht über Gebühr auf die Probe gestellt. Haas begibt sich vielmehr an Alt-, Tenor und Sopransax stilecht und mit hörbarer Freude in die Fußspuren von Grover Washington Jr. und David Sanborn. In den USA kann man mit so etwas durchaus ins Radio kommen.

Josef Engels, 30.11.2013



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