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Twelve

Eli Degibri

Plus Loin/edel 1014177PLO
(47 Min., 12/2012)

Geografielehrern dürfte diese Aussage ein Graus sein, aber Jazzkenner können es nur bestätigen: Israel ist das neue Skandinavien. Ähnlich wie im hohen Norden vor ein paar Jahren stehen zwischen Eilat und Haifa derzeit jede Menge vielversprechende Improvisationstalente in den Startlöchern. Das macht die neue CD des israelischen Vorzeige-Saxofonisten Eli Degibri mehr als deutlich: Für die Aufnahme verpflichtete der in den USA an der Seite von Herbie Hancock und Al Foster zum Star aufgestiegene Bläser zwei blutjunge Landsleute. Schlagzeuger Ofri Nehemya war zum Zeitpunkt der Einspielung gerade mal 18 Jahre alt, Pianist Gadi Lehavi gar erst verblüffende 16 Jahre.
Es ist wirklich erstaunlich, wie souverän die beiden Youngster neben den beiden arrivierten Band-Ältesten, Degibri und Bassist Barak Mori, bestehen. Degibris Stückauswahl ist gewissermaßen ein Crashkurs in Sachen Gegenwarts-Mainstream-Jazz. Von der an Avishai Cohen gemahnenden freundlich-virtuosen Odd-Time-Versuchsanordnung „The Spider“ über das straight ahead swingende „Mambo“ und dem an Paolo Conte erinnernden Weltmusik-Schlager „Liora Mi Amor“ bis hin zu der pointierten Standard-Aneignung „Autumn In New York“ reicht der Materialtest.
Während sich Degibri oftmals in meisterhafter Zurückhaltung übt und bei allem technischen Können weit davon entfernt ist, ein Coltrane-Epigone zu sein, haben Lehavi und Nehemya ihren großen Auftritt im Stück „Old Seven“. Wie sich die beiden über einen krummen 7er-Takt mit atemberaubend dahinschnurrenden Arpeggien und rhythmischen Verzierungen die solistischen Spielbälle zuwerfen, ist ganz großer Sport. Die Jazzwelt kann sich wohl noch auf einige Sensationen aus Israel gefasst machen.

Josef Engels, 07.12.2013



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