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Elders

Pablo Held

Pirouet/Edel 1018075POU
(46 Min., 4/2013)

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“, heißt es in der Bibel im vierten Gebot. Auf „Elders“ kommt Pablo Held dieser Aufforderung nach: Er hat es seinen Eltern, dem Hagener Jazzpianisten Peter Held, und seiner Mutter, der Klavierstimmerin Petra Held, gewidmet. Diese beiden sowie die spanischen Komponisten Frederic Mompou und Manuel de Falla, der Saxofonist Wayne Shorter und die Sängerin Joni Mitchell sind die „Elders“, sind die Älteren, Erfahreneren, die Pablo Held inspirierten. Als besonderes Dankeschön hat er vier Stücke seines Vaters bearbeitet: das sich behutsam öffnende Sextett „Morning Hour“, das durch fröhliche Gitarrenläufe agile Quartett „Hunters“, das weiche Quintett „Poem Number Five“ und das eher der bedächtigen Schreibtischarbeit als der monotonen Industriearbeit gewidmete Quintett „Work Song“. Für sie hat er sein Stammtrio mit dem Kontrabassisten Robert Landfermann und dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel um den Saxofonisten Jason Seizer, den Flötisten Domenic Landolf und den Gitarristen Ronny Graupe erweitert. Lediglich in Mompous „Secreto“ verzichtet Held auf weitere Musiker.
Dem von Manuel de Falla entliehenen „Nana“ verleihen das Quintett – mit Assoziationen an die spanische Gitarrentradition – einen unruhigen, nervösen Gestus, und Joni Mitchells „Marcie“ verwandeln sie in eine sanfte, gelassene Quartettnummer. Pablo Helds eigene „Pastorale“ beginnt mit mehrstimmigen Flötenklängen und äußerst zurückhaltenden Pianoeinwürfen – ein scheinbares Hirtenlied, das erst gegen Ende im kurzen Sonnenaufgang mit Flöten und Trio aufblüht. Auch „The Elders“, eine Komposition Wayne Shorters, beginnt mit Flötentönen, entwickelt sich aber rasch zur sanft wehenden Sextettnummer. Helds Trio, das seine Konzerte weitgehend aus vorhandenem Material improvisiert, findet in den Gastmusikern Partner, die ebenfalls die Improvisationslust schätzen, andererseits aber auch durchkomponierte Passagen quicklebendig und frisch wirken lassen. Die feingliedrigen, aus vielen ineinander verhakten Bögen zusammengesetzten Stücke zählen zu den kammermusikalischen Pretiosen des jüngeren Jazz.

Werner Stiefele, 18.01.2014



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