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Franz Schubert

Streichquintett D 956

Kuss Quartett, Miklós Perényi

Onyx Note 1 ONYX4119
(56 Min., 12/2012)

Schon bei seinen Schubert-Streichquartett-Statements legte das deutsche Kuss Quartett mehr Wert auf partiturgetreue Zusammenhänge statt auf Sentimentalitäten. Einer ähnlichen (hörenswerten) Frischzellenkur wollte man wohl nun ebenfalls Schuberts Streichquintett unterziehen. Und so ist man zusammen mit Cellist Miklós Perényi dieses kammermusikalische Opus Magnum geradezu schlank, präzise und eben so ganz ohne falsches Abschiedspathos angegangen. Ein wenig erinnert diese Gangart an die legendäre Aufnahme des Melos-Quartetts mit Mstislaw Rostropowitsch. Alles ist sehr gegenwärtig, präsent. Keine Gesten wirken da aufgesetzt oder werden gar mit Ideenkonzepten überfrachtet. Vielmehr versucht man, die Musik einfach aus sich heraus sprechen zu lassen. Was schon sehr viel sein könnte, wenn man den langsamen Satz als Referenzmarke nimmt: Der herausströmende Zauber mag alle tradierten Vorstellungen von Zeit und Raum überwinden. Trotzdem besitzt das Spiel der Musiker genau diese Körperlichkeit, um dem Klischee von einer sich immer weiter von der Welt entfernenden Romantikerseele zu widersprechen.
Bei aller Aufmerksamkeit, die man den unaufhörlich expansiven Ausdruckskräften schenkt, stellt sich aber im Laufe der Aufnahme eine gewisse Ernüchterung ein. Nicht nur verliert sie immer mehr an Spannung (selten hat man das Finale in letzter Zeit angesichts der fehlenden Doppelbödigkeit so eindimensional gehört). Das Leidenschaftliche wie auch das Empfindsame wirken geradezu kalkuliert und inszeniert. Zumindest kommt diese Enttäuschung auf einem spieltechnisch extrem hohen Niveau daher.

Guido Fischer, 18.01.2014



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