Ein toller Kerl muss er gewesen sein, dieser Salvatore Baccaloni: Über seine Darstellung des Leporello im Glyndebourner "Don Giovanni" von 1936 schrieb seinerzeit ein Rezensent, seine Stimme habe "nach Knoblauch und Olivenöl" geduftet - ein Eindruck, der auch fünfundsechzig Jahre über die Schallplatte noch nachzuempfinden ist, ebenso wie das viel gepriesene komische Talent des Italieners.
Neben so einem Diener hatte es John Brownlee als Don Giovanni nicht leicht, aber auch er wartet mit einer voluminösen, wohlklingenden Stimme auf; vom Charakter her ist sein Giovanni nicht jener feinnervige, aufsässige Despot, wie ihn Fischer-Dieskau unter Fricsay so trefflich zeichnete, sondern ein Aristokrat, der mannhaft zu seinem Laster steht.
Als Objekte seiner Begierde stehen ihm Audrey Mildmay als wahrlich bezaubernde Zerlina, die Amerikanerin Ina Souez als leidenschaftliche Donna Anna mit leichten Koloraturproblemen und Luise Helletsgruber als betörend stimmschöne Donna Elvira mehr oder weniger zur Verfügung. Zerlinas Bräutigam Masetto wird putzig dargeboten von dem Australier Roy Henderson, der als Lehrer von Kathleen Ferrier in die Geschichte eingehen sollte, und Donna Anna steht in Koloman von Pataky ein sensibler, glühender Don Ottavio zur Seite, auch er begabt mit einer schönen, problemlosen Stimme ohne übermäßige Koloraturfertigkeit.
Unter Fritz Buschs Stabführung entstand eine aussagekräftige, packende Aufnahme mit großartigen Momenten, die die hohe Qualität des Glyndebourne-Festivals bereits in seiner Anfangszeit dokumentiert.

, 17.05.2001



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