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Weltentraum

Michael Wollny

ACT/edel 1095632ACT
(58 Min., 9/2013)

Das neue Album von Michael Wollny ist eine Apotheose. Allerdings keine des Trio-Jazz, sondern die Apotheose des im Trio spielenden Pianisten Michael Wollny. Bislang firmierten Wollny und der Schlagzeuger Eric Schaefer mit der Bassistin Eva Kruse als [em]. Kruse hatte die Formation einst gegründet. Der abstrakte Bandname unterstrich einen kollektiv interaktiven Ansatz. Nun macht die Bassistin eine Babypause. Aus [em] wurde das Wollny-Trio. Kontrabass spielt nun der Amerikaner Tim Lefebvre, sonst druckvoller E-Bassist im Jazzrock-Bereich. Die umklammernde Verpflichtung zum dialogisch interaktiven Ideal ist entfallen, das Trio ist nun ein Klavier mit obligatem Bass und Schlagzeug.
Das Material dieses Albums von Melancholie und Sehnsucht entstammt überwiegend der klassischen Avantgarde des vergangenen Jahrhunderts. Doch Sperrigkeit und Stachel von Berg, Hindemith oder Rihm werden mittels Grundierung durch Orgelpunkte oder zirkulärer Ostinati und darüber geschichteter tiefengestaffelter, europäisch orientierter Akkordseligkeit einem Anverwandlungs- und Integrationsprozess unterzogen und so kompatibel für die große Wolke wollüstiger Wollnyscher Melancholie. Das ist – auch aufnahmetechnisch – immer wieder von berückender pianistischer Schönheit: Nahezu lückenlos wechseln geballte Griffigkeit und in reihender Geläufigkeit sich steigernde Tongirlanden. Nach 13 Miniaturen beschließt ein fast neunminütiger Gastauftritt des Sängers Theo Bleckmann das Album, aus dem Wollny als eine Art Oscar-Keith Peterson-Jarrett der neuen Innerlichkeit hervorgeht. Ein künstlerischer Schritt nach vorne?

Thomas Fitterling, 01.03.2014



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