Responsive image

Le vent

Colin Vallon Trio

ECM/Universal 3762782
(60 Min., 4/2013)

Es braucht keine großen Gesten und auch keine Anleihen beim Pop, wenn die Töne so klar und wichtig wie beim Trio des Schweizer Pianisten Colin Vallon sind. Sie verzichten auf plakative Rhythmen und setzen stattdessen auf einen regelmäßigen, kraftvollen Klangstrom mit einer eigenständigen Motorik, und doch setzen sie sich mit ihren schwebenden Klanglandschaften von den swingenden Jazztrios der Vergangenheit ebenso wie von den aus HipHop, Techno und Ambient schöpfenden Gruppen der Gegenwart ab. In dieser eigenwilligen, von den gängigen Strömungen unabhängigen Welt sorgt andererseits der stete Fluss der Harmonien und Melodien für das Gefühl von innerer Ruhe und Gelassenheit.
Dabei braucht es keine spektakulären Soli – die Stärke des Trios von Vallon, dem Kontrabassisten Patrice Moret und dem Schlagzeuger Julian Sartorius liegt darin, mit feinen Klangnuancen und Dynamikveränderungen, gelegentlich auch geräuschhaften Einsprengseln und Schwebezuständen fein gegliederte, intensive Stücke zu gestalten. Während in der Geschichte der Klaviertrios seit den 1960ern die Gleichberechtigung aller Musiker gefordert und oft auch eingelöst wurde, gilt bei diesen dreien eine eindeutige Hierarchie: Das Klavier dominiert, gibt die Orientierungspunkte, steht mit seinen Tönen im Vordergrund, während Moret und Sartorius unterstützen, begleiten, ergänzen. Indem sie sich von diesen in den vor 50 Jahren hervorgetretenen, mit gesellschaftlichen Zukunftsmodellen korrespondierenden Emanzipationsideen abwenden, liegen sie bei aller scheinbaren Abkehr von Modeströmungen durch die innere Grundhaltung ihrer Musik wesentlich eher im Trend als die aktuellen, den Popgefilden nahen Klaviertrios.

Werner Stiefele, 15.03.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top