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Guillaume de Machaut, Sidney Corbett, Sarah Nemtsov, Samir Odeh-Tamimi

Messe de Nostre Dame, Archipel Machaut, Briefe – Heloisa, ÒD u.a.

Mixtura

Genuin/Note 1 GEN13284
(67 Min., 11/2012)

In welchem Jahrhundert befinden wir uns nochmal? Gar nicht so leicht zu sagen, denn vor der Kombination aus historischer Schalmei und modernem Akkordeon versagt das musikgeschichtliche Ortungssystem. Und das ist gut so, denn zum einen gilt Guillaume de Machaut (um 1300 - 1377), dem diese Scheibe gewidmet ist, als Avantgardist des 14. Jahrhunderts und zum anderen ist die praktische Musikausübung seiner Zeit so wenig genau dokumentiert, dass jede Aufführung, die vorgibt, historische Aufführungspraxis zu sein, im Grunde zur Lüge wird.
Ganz anders verhält es sich hier: Gerade weil der Klang der beiden Instrumente historisch so klar definiert erscheint, wirkt ihre Verschmelzungsfähigkeit – die allerdings auch Katharina Bäumls außergewöhnlicher Ton- und Intonationsreinheit zu verdanken ist – umso frappanter. Hat man sich erst einmal darauf eingelassen, Machauts oberflächlich schlichte, aber raffiniert konstruierte Chansons und Messsätze wie Erik Satie oder Morton Feldman zu hören, fällt der Schritt zu den drei längeren neuen Kompositionen nicht schwer. Sidney Corbett, Sarah Nemtsov und Samir Odeh-Tamimi erkunden die klanglichen Kombinationsmöglichkeiten auf äußerst vielfältige und fantasievolle Weise, ohne den beiden Instrumenten je Gewalt anzutun. Und auch die Hörer bleiben frei, versteckte Bezüge zu Machaut (etwa in der Obsession für eine bestimmte Intervallfolge oder in mikrotonalen Färbungen, die an die „ethnische“ Strömung in der historischen Aufführungspraxis erinnern) zu erkennen oder auch abzulehnen.

Carsten Niemann, 22.03.2014



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