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Christoph Graupner

Himmlische Stunden, selige Zeiten

Miriam Feuersinger, Capricornus Consort Basel

Christophorus/Note 1 CHR 77381
(76 Min., 4 & 5/2013)

In seinem sehr kompetenten Beihefttext charakterisiert Anselm Hartinger gleich zu Beginn, was den Hörer dieser CD erwartet: Graupners Kantaten sprechen eine „zwar verständliche, jedoch durchgängig gehobene“ Sprache, die „den Kenner“ zufriedenstellt, „ohne die Liebhaber zu überfordern“. Von Telemanns Kantaten entscheiden sich Graupners Werke durch größere Vielschichtigkeit, von denjenigen Bachs allerdings durch ihre andere Art von vokaler Expressivität. Rund 1.400 Kantaten hat der Darmstädter Hofkapellmeister hinterlassen, und erst ein kleiner Teil davon ist der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden: Der Bassist Klaus Mertens trat vor Jahren wohl als einer der Ersten mit einer reinen Graupner-Kantaten-CD an die Öffentlichkeit, die einige Beachtung fand.
Graupners spezielle vokale Expressivität wird gleich im ersten Satz der Kantate „Angst und Jammer“ zum Erlebnis, und der Hörer wird augenblicklich in den Bann dieser Musik gezogen. Das ist auch den besonderen Qualitäten der Sopranistin Miriam Feuersinger zu verdanken, die es versteht, lange Töne fast unmerklich aus dem kraftvollen Orchesterklang heraus beginnen zu lassen, sie behutsam zu entwickeln und dann mit staunenswerter Geschmeidigkeit in jene ausdrucksstark bewegten Kantilenen übergehen zu lassen, die Graupner mit genialem Gespür für wirkmächtige Melodik geschaffen hat. Das „Capricornus Consort Basel“ unterstützt die Sängerin dabei optimal: Ein profiliertes Timbre mit klaren Konturen hat der Streicherklang, wodurch er zur vokalen Sphäre einen prägnanten Widerpart bildet, ohne dabei jemals aufdringlich oder gar zu laut zu sein. Alles in allem eine sehr sorgfältig und liebevoll ausgeführte Produktion, die das verfügbare Alte-Musik-Repertoire maßgeblich bereichert.

Michael Wersin, 29.03.2014



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