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Familia

Rainer Böhm Quartet

Laika/Rough Trade 4 011786 143047
(53 Min., 1/2013)

So soll es sein. Das Quartett des Pianisten Rainer Böhm knüpft an die goldenen Zeiten des akustischen Jazz an, ohne als Retro-Musiker in den Gepflogenheiten des Hard Bop zu verharren und lediglich zu imitieren, was in den 1950ern von den USA in die Welt ausstrahlte. Im Gegenteil: Die vier schaffen eine eigene Variante, in der sich kräftige Grooves und die weiträumigen, offenen Formen der 1980er vereinen. Europäischer wirkt dieser Jazz, offener, lichter und weiträumiger, von den Impressionisten und Romantikern ebenso wie von den Großen der Jazzgeschichte beeinflusst.
Schon bei der Formation „L14,16“ zeigte sich, dass Böhm bei allen Traditionsbezügen nie ins Imitieren gerät, sondern aus dem historischen Wissen etwas Eigenständiges, an seine Person und Vorstellungswelt Gebundenes schafft. Mit dem Kontrabassisten Phil Donkin und dem Schlagzeuger Peter Gall hat er hierfür Top-Partner, die den neun Stücken einen federnden, komplexen Untergrund legen, der wunderbar mit Böhms Klavierspiel verzahnt ist, parallel läuft, sich löst, Gegenbewegungen einleitet, sich annähert, gleichzeitig unterstützt und widerspricht. Im Tenorsaxofonisten Johannes Enders hat Böhm einen Partner neben sich, der mit leichtem, manchmal bläseligem, dann wieder festem, stets abwechslungsreichem Ton ausdrucksstarke Melodien beisteuert. Feinsinniger, von aufmerksamer Kommunikation geprägter Jazz entsteht so, der nur vordergründig traditionell wirkt, in seiner Substanz aber wesentlich individueller und moderner ist, als es die rein akustische Besetzung vermuten ließe.

Werner Stiefele, 29.03.2014



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