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Joseph Haydn

Violinkonzerte

Midori Seiler, Concerto Köln

Berlin Classics/Edel 0300550BC
(66 Min., 5/2013)

Haydns Solokonzerten ergeht es wie so vielen Außenseitern: Im Alltag werden sie übersehen, doch stolpern sie zufällig mal ins Rampenlicht, dann werden sie gleich lautstark in Schutz genommen, dann wollen alle sie plötzlich gerne haben. Man sollte sich mal den Spaß erlauben und in alten Rezension etwa der drei überlieferten Violinkonzerte nachlesen, wie oft da von „zu Unrecht vergessen“ die Rede ist und davon, dass dem „Interpreten der vorliegenden Aufnahme“ ein längst überfällige „Ehrenrettung“ gelungen sei. Ersparen wir es uns drum dieses Mal, Haydns Meriten gegen die von Mozart aufzurechnen, auf die hinderlichen Verhältnisse am abgeschiedenen Hofe der Esterházy zu verweisen oder gar zu prophezeien, mit dieser CD würde alles anders. Das wird es nicht.
Nach Heldentaten steht Midori Seiler und dem Concerto Köln aber auch gar nicht der Sinn. Statt größer klingen die Konzerte hier eher noch kleiner, als wir sie eh in Erinnerung hatten. Das Orchester ist mit gerade einmal zehn Streichern besetzt, ohne Bläser (so wollte es Haydn) und ohne Cembalo (so wollten es die Interpreten). Schnell wird klar, was das soll: Hier wird eine kleine Konzertmusik zur großen Kammermusik. Nicht die emphatischen Gesten, sondern die feinen Striche, der knappe Akzent, das schnelle Crescendo sind die Mittel, mit denen die Partitur davor bewahrt wird, allzu lange und schwer den Boden zu berühren. Den langsamen Sätzen, zumindest dem des kleinen G-Dur-Konzerts, hätte Midori Seiler dennoch einen längeren Atem schenken dürfen, etwas mehr Selbstbewusstsein, mehr Gesanglichkeit – die Rahmensätze dagegen machen wirklich ungeheueren Spaß in ihrer jugendlichen Sprunghaftigkeit. Das Concerto Köln befeuert seine Solistin zudem in absoluter Topform.

Raoul Mörchen, 19.04.2014



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