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Darius Milhaud, Claude Debussy, Pierre Menu

Streichquartett Nr. 1 op. 5, Streichquartett op. 10, Sonatine für Streichquartett

Galatea Quartet

Sony 88883788212
(58 Min., 11/2006)

Hinter dem griffigen Titel „Belle Époque“, mit dem das Galatea Quartet seine neue CD aufmacht, verbirgt sich ein feinsinniges Programm. Claude Debussys wegweisendem Quartett in g-Moll stellen die Musiker dabei zwei äußerst hörenswerte Beiträge zur unterbewerteten Tradition des französischen Streichquartetts gegenüber. Neben dem Paul Cézanne gewidmeten ersten Quartett von Darius Milhaud gibt es auch eine wahre Entdeckung zu hören, nämlich eine dreisätzige Streichquartett-Sonatine des 1919 an den Folgen eines deutschen Giftgasangriffs verstorbenen Pierre Menu. Menu, der nur 24 Jahre alt wurde, gehörte dem Kreis der „Nouveaux Jeunes“ um Eric Satie an und wäre von dem Kritiker Henri Collet sicher auch der Gruppe „Les Six“ zugerechnet worden, hätte er nicht an dem entscheidenden Abend beim Zusammentreffen der Gruppe gefehlt. Das ist umso bedauerlicher, weil gerade Menus Beitrag mit seinen fiebrigen, rhythmisch nuancierten Ecksätzen bereits ahnen lässt, wie die Erfahrungen des Krieges und die Einflüsse des Jazz ihre Spuren in der Musik hinterlassen werden.
Das Galatea Quartet hütet sich allerdings davor, Querständiges und rhythmisch Sperriges überzubetonen, um sich eine letzte elegante Sachlichkeit zu bewahren. Insgesamt wirkt dieser Ansatz durchaus überzeugend, auch wenn man sich fragen darf, ob die Musiker eindeutigen Vorschriften wie dem „sehr entschieden“ im Kopfsatz von Debussys Quartett oder dem „brutal“ in Milhauds folkloristischem Finale vollständig gerecht werden. Ein eindeutiges Plus sind das äußerst transparente und duftige Klangbild sowie der differenzierte Ausdruck, wobei die technisch brillanten Musiker insbesondere in der Dynamik ein reiches Spektrum entfalten.

Carsten Niemann, 26.04.2014



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