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Johann Sebastian Bach

Brandenburgische Konzerte BWV 1046 - 1051

Freiburger Barockorchester

harmonia mundi, HMC 902176.77
(90 Min., 5/2013) 2 CDs

Zugegeben: Ein Mangel an Einspielungen der Brandenburgischen Konzerte herrscht derzeit sicher nicht. Dennoch sollte man die Aufnahme des Freiburger Barockorchesters nicht vorschnell beiseite legen. Dass sie im tiefen französischen Stimmton von 392 Hz aufgenommen ist, mag auch dem Zwang zur Profilierung geschuldet sein, doch trägt die Wahl dieses Stimmtons zu einem warmen Klangbild bei, das sich von den hochauflösenden, am englischen Chorklang orientierten Aufnahmen der britischen Schule ebenso unterscheidet wie von den jazzigen Interpretationsansätzen der deutschen und italienischen Alte-Musik-Szene, in denen der spontanen Wirkung wegen Motorik und Attacke gerne überbetont werden.
Als Kollektiv aus starken Einzelpersönlichkeiten sind die Freiburger Charakters genug, um sich nicht dem Diktat eines uniformen schmissigen Rhythmus oder markigen „Sounds“ zu beugen. Was man stattdessen hört, sind Interpretationen, die den Ensemblegeist in den Vordergrund rücken, der sich auch schon in der kleinen kunstsinnigen Köthener Residenz gefunden haben könnte, in die es Bach und seine Musiker verschlagen hatte. Durch den Verzicht, jeden Satz sofort auf eine frappierend ins Ohr fallende Interpretationsidee zu reduzieren, kann unter der gelassen belebten Oberfläche eine Vielzahl von feinen farblichen und gestalterischen Details hervortreten. Besonders schön zu beobachten ist dies im Einleitungssatz des sechsten Konzerts, dessen rhythmische Reichhaltigkeit hier einmal gebührend zur Geltung kommt, oder im Schlusssatz des vierten Konzerts, der hier wirklich als Fuge wie als Konzertsatz zugleich funktioniert.

Carsten Niemann, 03.05.2014



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