home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Adagios & Fugen nach Johann Sebastian Bach

Akademie für Alte Musik Berlin

harmonia mundi HMC 902159
(51 Min.)

„Ganz verliebt“ soll Constanze Mozart in die Bachischen Fugen gewesen sein, die ihr Mann vom Musikmäzen Gottfried van Swieten mit nach Hause brachte. Eine spätere Frucht dieser Liebe dürften die Bearbeitungen sein, die Wolfgang Amadeus von einigen dieser Fugen für Streicher anfertigte. Allerdings war er nicht der Einzige: In einer Wiener Handschrift vom Ende des 18. Jahrhunderts finden sich einige Streicherbearbeitungen genau jener Fugen aus dem „Wohltemperirten Clavier“, mit denen sich auch Mozart beschäftigte. Spannend an dieser anonymen Handschrift ist, dass sie auch neu komponierte Einleitungen zu den Fugen enthält – wohl deswegen, weil Bachs Präludien in Wien nicht erhältlich waren.
Für diese Aufnahme hat die Akademie für Alte Musik Berlin nun Mozarts Fugentranskriptionen mit den anonymen Einleitungsstücken kombiniert. Hinzu kommt eine originale Fugenkompositionen Mozarts, die sowohl in der ursprünglichen Fassung für 2 Cembali (hier farblich delikat, aber auch etwas rumpelig mit Fortepiano eingespielt) sowie in der von Mozart selbst angefertigten Streicherfassung K546 zu hören ist. Die anonym überlieferten Einleitungen klingen überraschend galant, während Mozart das Archaische der Fugenform beinahe schon im Sinne einer vorweggenommenen Schauerromantik deutet. Die naheliegende Herausforderung anzunehmen, alle Fugen der Einspielung konsequent aus Sicht des galanten Zeitalters und des aufkommenden Sturm und Drang zu interpretieren, nehmen die Musiker nicht konsequent an. Stattdessen setzen sie auf Buntheit und spielen einige Stücke in Bläserbesetzungen, die zwar auf ihre Weise das Archaische der Fugen betonen, aber gerade im Bezug zu den modisch-zeitgebundenen Einleitungen aus dem Rahmen fallen. So anregend das Projekt ist: Um sich über beide Ohren in das Ergebnis zu verlieben, fehlt ihm der rote Faden.

Carsten Niemann, 03.05.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top