Fernando Sor

Gitarrenwerke

Frank Bungarten

MDG/Naxos MDG 30503902
(59 Min., 8/1990)

 

Fernando Sor

Ouvertüren, Sinfonien u.a.

Neville Marriner, Orchester von Cadaqués

Tritó/Harmonia Mundi TD0049
(54 Min., 3/2007, 3/2008)

 

Jeder Hobby-Gitarrist wird irgendwann einmal einige seiner Etüden oder Charakterstücke gespielt haben. Und wie bei ähnlich angelegten Repertoire-Standards von Mauro Giuliani, Ferdinando Carulli und Anton Diabelli wird man sich dann ebenfalls bei Fernando Sor fragen, ob es von ihm nicht vielleicht doch etwas Gehaltvolleres gibt als diese nur reizvoll hübsche Gitarrenmusik. Und so wendet man sich gezwungenermaßen, früher oder später auch von ihm ab. Andererseits gibt es selbst unter den absoluten Spitzenkräften immer wieder einige, die sich mit dem Klischeebild von Sor als Allerweltskomponist nicht abfinden wollen. So ein Sor-Fan ist Frank Bungarten, von dem jetzt das wiederveröffentlichte Recital ideal zu einer Neuerscheinung mit gänzlich unbekannten Orchesterwerken von Sor passt.
Der Charme, das Lyrische, das Kantable und das salonhaft Elegante, das viele der 24 ausgewählten Gitarrenpiècen kennzeichnet, findet sich ebenfalls in den kurzweiligen Orchesterstücken wieder, die Sor für den Konzertsaal, für die Oper und Ballett geschrieben hat. Tatsächlich machte der in Barcelona geborene Komponist zunächst und vor allem mit seinen Opern richtig Karriere – bevor er 1814 ins französische Exil gehen musste, wo er mit Unterbrechungen bis zum seinem Tod lebte. Die von Neville Marriner in seiner Funktion als 1. Gastdirigent des katalanischen Orquestra de Cadaqués eingespielten Kompositionen haben aber dennoch einige Überraschungen parat. So beginnt die Ouvertüre zur Ballettmusik „Hercule et Omphale“, die 1826 während eines Aufenthaltes in Moskau entstanden ist, zwar mit typischen Rossini-Tutti. Doch statt nach Schema F fortzufahren, zieht es Sor plötzlich in zum Teil dämonische Mozart-Sphären. Mit ähnlich verblüffenden Zwischentönen sind auch die drei, zumeist einsätzig gehaltenen und von Galanterie geküssten Sinfonien gespickt. Und in der Ouvertüre zum Melodram „La Elvira portuguesa“ (1801) unterstreicht Sor wirklich gekonnt seine romantische Ader. Umso erstaunlicher ist dann, was er später an Leichtgewichten für die Gitarre schreiben sollte – die Bungarten aber immerhin mit all seiner exquisit leuchtenden Anschlags- und Ausdruckspalette zu ehrenretten versteht.

Guido Fischer, 17.05.2014




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