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Solo Piano – Portraits

Chick Corea

Concord/Universal 7235603
(134 Min., 2012) 2 CDs

Einen genauen Plan habe er nicht, verkündet Chick Corea am 2. April 2012 im kanadischen Quebec. Er spiele nur selten Solokonzerte, sagt er, aber sie gäben ihm die Freiheit, genau zu machen, was er wolle, und nun beginne er damit, ein Gefühl für den Flügel zu entwickeln. „Willkommen in meinem Wohnzimmer“. Das klingt intim und spontan, und so geht er das Konzert auch an. Langsam improvisiert er sich gen „How Deep Is The Ocean“, und darauf folgen eigenwillige Versionen von Bill Evans‘ „Waltz For Debbie“, Stevie Wonders „Pastime Paradise“, den drei Thelonious Monk-Klassikern „Round Midnight“, „Pannonica“ und „Blue Monk“, Bud Powells „Dusk In Sandi“ und „Oblivion“ sowie seiner Hommage „The Yellow Nimbus“ für den Gitarristen Paco de Lucia. Er lässt den Stücken ihren Kern, garniert sie mit Corea-typischen Figuren, hat aber auch seinen Spaß daran, in „Blue Monk“ in einen Boogie zu verfallen.
War die erste Scheibe des Doppelpacks dem Jazz gewidmet, so eröffnen die zweite Scheibe zwei Preludes von Alexander Skrjabin, wobei er in der Ansage Jewgeni Kissins und Vladimir Horowitz‘ Interpretationen lobt und sich entschuldigt, vielleicht nicht jeden Ton so wie geschrieben zu spielen – schließlich sei er ein Jazzmusiker. Dessen ungeachtet meidet er jedes Verjazzen und verzaubert seine Hörer mit weichen, nuancierten Versionen. Vier Bagatellen von Béla Bartók sowie neun „Children Songs“ aus Coreas eigener Feder ergänzen den strengeren Teil; anschließend porträtiert er in – so die Ansage – spontanen Improvisationen Menschen, die er in Krakau, Casablanca, Easton und Vilnius zur Inspiration auf die Bühne gebeten hat. Vor allem dem Klang der Ansagen, zum Teil aber auch der Färbung des Flügels ist anzumerken, dass die Stücke nicht nur in Quebec, sondern auch bei anderen Konzerten aufgenommen wurden. Dessen ungeachtet fügen sie sich zu einem angenehmen Selbstporträt des im Aufnahmejahr 71 Jahre alt gewordenen Pianisten, der sein Publikum mit musikalischem Humor, ausgereiften Interpretationen sowie launigen Ansagen unterhält.

Werner Stiefele, 07.06.2014



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