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Plays Edith Piaf

Le Café Bleu International

Enja/Soulfood ENJ-9612
(59 Min., 12/2012)

Vor gut zwanzig Jahren entdeckte in München das Avantgarde-Kollektiv „Die Konferenz“ die sublime Affinität von Edith-Piaf-Songs und Jazz. Wiederum in München hat jetzt ein Trio aus Musikern um die dreißig für sich neu den geheimnisvollen Jazz-Appeal des Piaf-Materials und der dahinter verborgenen Lebensgeschichte entdeckt. Die drei verstehen sich als intimes Kollektiv; der Tenorsaxofonist Matthieu Bordenave kam ursprünglich von Paris nach Bayern, der Gitarrist Leonhard Kuhn liefert sonst auch die Laptop-Electronics in der Monika-Roscher-Big-Band und der Schlagzeuger Jay Lateef (bürgerlich Johannes Jahn) pendelt zwischen New York und dem Münchner Umland. Somit handelt es sich bei Le Café Bleu International um die Besetzung des klassischen Paul-Motian-Trios.
In der Tat haben die Klänge des Trios eine Anmutung, als seien sie eine aktualisierte Form der musikalischen Durchdringungen des subtilen Schlagzeugmagiers. Besonders Leonhard Kuhns Affinität zu Bill Frisell ist frappierend. Wie einst „Die Konferenz“ spielt das Trio nicht einfach das Piaf-Material als Themenvorlage für selbstverliebte Soloexkursionen, vielmehr werden die Songs respektvoll aus feinsinniger Analyse mit großer Lust am Melos und vertrackter rhythmischer Gewitztheit rekonstruierend entwickelt und hinreißend interpretiert. Bordenaves vollmundiger Ton und Kuhns abstrakt verquere Harmonik ergänzen sich aufs Trefflichste, und das Schlagzeug lässt ihr Wirken mit ausgefuchster Raffinesse immer wieder leichtfüßig tänzeln. Chanson und Jazz gerinnen so zu einer beglückenden blauen Stunde.

Thomas Fitterling, 28.06.2014



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