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Claude Debussy, Frédéric Chopin

... les sons et les parfums ... Debussy Meets Chopin

Javier Perianes

harmonia mundi HMC 902164
(71 Min., 11/2012) + Bonus-DVD

Dass es Verbindungslinien von Chopin ins Klavierwerk Debussys gibt, ist musikwissenschaftlich erforscht – aber es in einem Programm wirklich erfahrbar zu machen, ist eine harte Nuss. Während man hören könnte, wie Ravels „Jeux d’eau“ klanglich, aber vor allem satztechnisch die Lisztschen Wasser aus der Villa d’Este aufnehmen, ist das Verhältnis zwischen Chopin und Debussy ungreifbarer. Es wie der Spanier Javier Perianes im Stimmungshaften, Ätherischen zu belassen und irgendwelche kostbaren Dinge in gefällig bewegtes Wechselspiel zu bringen, ergibt für diese subtilen Bande etwa soviel Erkenntnisgewinn wie ein zerkochter Kräutereintopf für den Botaniker. Was verbindet das herrliche, titelgebende Prélude „Les sons et les parfums“ mit der f-Moll-Ballade oder der „Grande valse brillante“? Hätte nicht auch das erste Impromptu und die cis-Moll-Mazurka gepasst, oder das Regentropfenprélude? Es hätte eben alles oder nichts gepasst. Für das homogene Ineinanderfließen sorgt eine kultivierte Weichzeichnung (die Tonmeister haben viel Hall dazugegeben), das rechte Pedal wird ausgiebig und nicht immer mit höchster Finesse getreten, doch alles wirkt rund und schön.
Die Spannungen und Brüche musikalischer Verläufe drängen indes nie an die Oberfläche. Hört man in seiner vorangegangenen Beethoven-CD, mit welcher Betulichkeit er sich durch den borstigen op. 54-Kopfsatz arbeitet, begegnet einem das Manko dieses gediegenen Spielers exemplarisch: Dass dort markante Charaktere aufeinanderprallen, sich durchdringen und in einer hymnischen Coda ineinander aufgehen, ist ein unbequemes Geschehen, es kennt klangliche Härten und Bruchstellen. Bei Perianes zeichnen sie sich kaum ab unter dem glänzenden weichen Pelz. Wer nicht einmal diesen Prozess schlüssig nacherzählen kann, wie sollte er den Transport musikalischer Texturen von Chopin zu Debussy nachweisen können? Dazu ist dieses Spiel – jedenfalls in den Studioproduktionen – zu oberflächenverliebt und glatt. So ist diese prätentiöse Produktion kaum mehr als das Pendant eines coffeetable book. Angenehm zur beiläufigen Zerstreuung, gern auch beim Rotwein, gediegen als Geschenk – aber wer dem Thema kompositorischer Verwandtschaften wirklich nachgehen möchte, sollte sich seine Versuchsreihe selber zusammenstellen.

Matthias Kornemann, 05.07.2014



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