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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Franz Schubert

Nachtviolen (Lieder)

Christian Gerhaher, Gerold Huber

Sony 88883712172
(77 Min., 7/2012)

CD eingelegt, Startknopf gedrückt, jetzt noch schnell das Beiheft mit den Texten gesucht, wo ist es doch gleich? Egal! Denn schon mit den ersten Versen, die Christian Gerhaher zum Vortrag bringt, ist klar, dass man von seinem Schubert-Programm jedes einzelne Wort verstehen wird. Überhaupt könnte man bei diesem Sänger die von Schubert vertonten Gedichte Schlegels, Goethes, Mayrhofers, Schulzes etc. wohl auch jenseits der Vertonung als reines Hörbuch genießen – so klar, so überlegt und so frei von jeder unangenehmen Gefühligkeit trägt der Ausnahmebariton die klassisch-romantischen Texte vor. Und auch wenn sowohl Schuberts Musik wie Gerhahers edel timbrierte, technisch mühelos geführte Stimme den Worten Tiefe und magischen Glanz verleihen, wirkt es doch nie so, als spräche hier der emotional betroffene Sänger, sondern vielmehr der von einer nicht greifbaren Aura umgebene Dichter selbst.
Mit dazu trägt auch Gerold Huber bei, der allein schon durch die Vielfalt begeistert, mit der er die verschiedenen Nachahmungen des Wanderschrittes umsetzt, ohne je in plumpe Tonmalerei zu fallen. Gerhaher wiederum entwertet die subjektiveren Ansätze seiner bedeutenden und durchaus geistesverwandten Kollegen Wolfgang Holzmair, Matthias Goerne und Dietrich Henschel nicht – und bisweilen wäre man durchaus interessiert zu erfahren, was er von sich preisgäbe, wenn er seine heroldartige Haltung verließe. Doch auf der anderen Seite führen der Sänger und sein Klavierpartner ihren interpretatorischen Ansatz so konsequent und idealtypisch durch, dass, wer sich mit Schubert-Liedern beschäftigt, um die Kenntnis und Bewunderung ihrer Einspielung nicht herumkommt. Und sogar die Suche nach dem Beiheft lohnt sich am Ende, denn in seinen Kommentaren beleuchtet Christian Wildhagen die Lieder auf anschaulichste Weise aus den verschiedensten musikalischen, literarischen und historischen Blickwinkeln.

Carsten Niemann, 19.07.2014



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