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The Offense Of The Drum

Arturo O’Farrill, The Afro Latin Jazz Orchestra

Motéma/Membran 233848
(74 Min., 8/2013)

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Sollte er aufkeimen und zu einem neuen Baum heranwachsen, müssen die Früchte nicht unbedingt gleich wie die des alten Apfelbaums schmecken. Es kann sein, dass sie auf Vorformen ihrer Züchtung zurückfallen oder durch die Bestäubung mit einer anderen Sorte eine neue Mischung entsteht. So ähnlich war es wohl auch bei Arturo O’Farrill, Sohn des kubanischen Komponisten Chico O’Farrill, der mit seinem Afro Latin Jazz Orchestra einerseits die Tradition des afrokubanischen Jazz und der Salsa hoch hält, andererseits aber auch ein werbendes Kompendium dieser Musik vorlegen möchte. So rappt Christopher „Chilo“ Cajigas in „They Came“ eine kurze Geschichte aus Spanien und Afrika stammender Amerikaner, wobei DJ Logic mit Sounds und Scratchen junges Feeling einbringt. Andererseits schimmert in „Gnossienne 3 (Tientos)“ seine Kenntnis von Eric Saties Gnossiennes ebenso durch wie seine eigene Erinnerung an die melancholischen Sounds von Carla Bley, in deren Band er 1979 bis 1983 Mitglied war. Der Pianist Vijay Iyer, Shooting Star des indisch-amerikanischen Jazz, steuert das rhythmisch vertrackte „The Mad Hatter“ bei, bei dem er auch den Piano-Part übernimmt. Mit dem zweigeteilten „The Offense Of The Drum“ arbeitet er zunächst die disziplinierende, unterdrückende Funktion des Rhythmusinstruments heraus, bevor er im zweiten Abschnitt Trommeln und Percussion als Elemente unbändigen Freiheitsdrangs herausstellt. Das wirkt etwas verkopfter als die Salsa seines Vaters Chico O’Farrill – aber es gibt keinen Grund, warum die brillant gespielten Nummern unbedingt in der Tradition der fröhlichen Tanzmusik stehen sollten.

Werner Stiefele, 26.07.2014



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